Insolvenzplan für zwei Apotheken: Betriebserlaubnis gesichert

Steckbrief
Branche Gesundheitswesen · Handel
Leistungen von KAS Kurzanalyse und IBR Unternehmensplanung und Plausibilisierung Eigenverwaltung und Insolvenzplan Finanzierung und Refinanzierung
Geschäftsmodell Inhabergeführter Apothekenbetrieb mit zwei Standorten: Einzelhandel mit Arzneimitteln und Belieferung von Pflegeheimen
Unternehmensgröße zwei Apotheken · rund zehn Mitarbeiter · Umsatz im einstelligen Millionenbereich
Mandatsrahmen Begleitung von Insolvenzantrag und Fortführung, Insolvenzplan, Finanzierung und externes Controlling · beauftragt durch den Inhaber
Ergebnis auf einen Blick
Insolvenzplan angenommenVerfahren beendet, beide Standorte fortgeführt
Betriebserlaubnis gesichertneue Gesellschaft mit einer zweiten approbierten Apothekerin
Gläubiger besser gestelltlaut Vergleichsrechnung rund 190 T€ mehr verteilbare Masse als bei einer Liquidation

Ausgangslage

Ein Apotheker führte als Einzelkaufmann zwei Apotheken mit rund zehn Mitarbeitern, darunter, wie gesetzlich vorgeschrieben, zwei angestellte approbierte Apotheker. Neben dem Verkauf in der Offizin belieferte er Pflegeheime. Verluste aus einer weiteren, inzwischen veräußerten Apotheke und einer aufgegebenen Versandapotheke hatte er über neue Darlehen finanziert; der Kapitaldienst überstieg, was die beiden verbleibenden Standorte erwirtschaften konnten.

Hinzu kamen eine hohe Apothekendichte, der Wegzug empfehlender Ärzte und an einem Standort ein zeitweise nicht kostendeckendes Ergebnis. Controlling und aktiver Einkauf fehlten. Lieferanten lieferten nur noch gegen Vorkasse, günstige Direktbezüge waren kaum möglich, und der knappe Lagerbestand kostete Umsatz. Nachdem ein außergerichtlicher Einigungsversuch gescheitert war, stellte der Inhaber Insolvenzantrag.

Der kritische Punkt

Die Erlaubnis zum Betrieb einer Apotheke setzt nach § 7 ApoG voraus, dass der Apotheker sie persönlich und in eigener Verantwortung leitet, fachlich wie wirtschaftlich. In der Insolvenz fehlt ihm die wirtschaftliche Verfügungsbefugnis. Die Aufsichtsbehörde duldete die Fortführung nur für einen begrenzten Zeitraum; danach drohte der Entzug der Erlaubnis und damit Schließung und Liquidation.

Eine Lösung musste deshalb die wirtschaftliche Handlungsfähigkeit des Inhabers wiederherstellen. Zugleich war er für die Fortführung unverzichtbar, weil die Beziehungen zu den Pflegeheimen und den verordnenden Ärzten an seiner Person hingen.

Vorgehen

Der Inhaber beauftragte KAS mit der Begleitung des Insolvenzverfahrens und der Erstellung eines Insolvenzplans.

Insolvenzantrag und Fortführung
Vorbereitung des Antrags; Fortführung beider Apotheken in Abstimmung mit der Aufsichtsbehörde und dem Insolvenzverwalter, mit Treuhandkonten für den laufenden Betrieb.
Fortführungsmodell
Suche nach Investoren und Gespräche mit den Hauptgläubigern. Lösung: eine neue Gesellschaft, die eine approbierte Apothekerin gemeinsam mit dem bisherigen Inhaber gründet und die den Betrieb übernimmt.
Insolvenzplan
Plan nach §§ 217 ff. InsO mit fünf Gläubigergruppen und einer Vergleichsrechnung gegenüber der Liquidation; Abstimmung mit Gläubigern und Gericht.
Finanzierung
Ein institutioneller Finanzier stellte auf Grundlage von Fortführungskonzept und Plan die Mittel für die Übernahme bereit.
Externes Controlling
Planungsrechnungen und Abweichungsanalysen nach apothekenspezifischen und betriebswirtschaftlichen Kennzahlen, auch nach Abschluss des Verfahrens.

Entscheidend war die Konstruktion der neuen Gesellschaft. Sie erfüllte die Voraussetzungen des § 7 ApoG und hielt zugleich den Inhaber im Unternehmen, auf dessen Kontakten ein großer Teil der Umsätze beruhte.

Schematische Darstellung: Vergleichsrechnung zwischen Liquidation und Insolvenzplan. Im Insolvenzplan flossen der Masse durch den Verkauf an die neue Gesellschaft mehr Mittel zu, Masseverbindlichkeiten aus den laufenden Verträgen entfielen durch deren Übernahme, und ein Einmalbetrag aus dem Familienkreis wurde zusätzlich an die Gläubiger verteilt.

Ergebnis

Die Gläubiger stimmten dem Insolvenzplan zu, und das Verfahren wurde beendet. Die neue Gesellschaft übernahm den Betrieb, die Mitarbeiter und die wesentlichen Verträge; beide Standorte wurden fortgeführt. Gegenüber einer Liquidation flossen der Insolvenzmasse durch den Verkauf mehr Mittel zu, und durch die Übernahme der Verträge entfielen Masseverbindlichkeiten.

Aus dem Familienkreis des Inhabers kam ein Einmalbetrag, der zusätzlich an die Gläubiger verteilt wurde. KAS begleitet das Unternehmen weiterhin im Rahmen eines externen Controllings.

Maßnahmen

Leistungswirtschaftlich
Eine neue Gesellschaft mit einer zweiten approbierten Apothekerin übernahm den Betrieb beider Apotheken; der bisherige Inhaber bleibt beteiligt.
Mitarbeiter, Serviceverträge und Mietverhältnisse gingen auf die neue Gesellschaft über, die Mietverträge wurden neu abgeschlossen.
Ein externes Controlling steuert die Apotheken nach apothekenspezifischen und betriebswirtschaftlichen Kennzahlen.
Finanzwirtschaftlich
Die neue Gesellschaft erwarb die betrieblichen Vermögenswerte einschließlich des Warenbestands aus der Insolvenzmasse.
Ein institutioneller Finanzier stellte die Mittel für die Übernahme bereit.
Ein Darlehen aus dem Familienkreis ermöglichte eine zusätzliche Zahlung an die Gläubiger; das private Vermögen des Inhabers wurde verwertet.

Praxistipps

Klären Sie bei Apotheken zuerst die Erlaubnisfrage.
Eine Sanierung trägt nur, wenn die Voraussetzungen des § 7 ApoG auch danach erfüllt sind. Hier bestimmte das die gesamte Konstruktion.
Binden Sie die Aufsichtsbehörde früh ein.
Die Fortführung in der Insolvenz war nur in Abstimmung mit der Behörde und für einen begrenzten Zeitraum möglich.
Zeigen Sie den Gläubigern den Vergleich zur Liquidation.
Die Vergleichsrechnung machte sichtbar, dass jede Gläubigergruppe mit dem Plan besser gestellt war, und war die Grundlage der Zustimmung.

Vertraulichkeit. Alle Mandate sind anonymisiert dargestellt, Kennzahlen gerundet oder in Spannen angegeben. 

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