Spedition: Leasingflotte gesichert, Verträge neu kalkuliert

Steckbrief
Branche Verkehr
Leistungen von KAS Kurzanalyse und IBR 13-Wochen-Liquiditätsplanung Unternehmensplanung und Plausibilisierung Sanierungskonzepte und Sanierungsgutachten Operative Ergebnisverbesserung Sanierungscontrolling und Reporting Finanzierung und Refinanzierung
Geschäftsmodell Speditions- und Logistikdienstleistungen mit Schwerpunkt Stückgut und Kontraktlogistik für Industriekunden
Unternehmensgröße rund 60 Mitarbeiter · Umsatz im unteren zweistelligen Millionenbereich · drei Standorte
Mandatsrahmen Kurzanalyse, Sanierungskonzept nach IDW S 6 zur Vorlage bei Banken und Leasinggebern, Begleitung der Umsetzung und Sanierungscontrolling · beauftragt durch die Geschäftsführung
Ergebnis auf einen Blick
Zahlungsfähigkeit in zwei Wochen gesichertdurch rollierende Liquiditätsplanung auf Wochenbasis
Sanierungskonzept nach sieben Wochen angenommenmit Zustimmung von Hausbanken und Leasinggebern
Leasingflotte erhaltenStundung der Raten über sechs Monate und Brückenfinanzierung von 1,4 Mio. € durch die Hausbanken
Rund 50 von 60 Arbeitsplätzen erhaltenein positives EBIT ab dem zweiten Planjahr erwartet

Ausgangslage

Das Unternehmen erbringt Speditions- und Logistikdienstleistungen mit Schwerpunkt auf Stückgut und Kontraktlogistik für Industriekunden. Einige Jahre vor Beginn des Mandats hatte es einen kleineren Wettbewerber übernommen.

Steigende Diesel- und Mautkosten, der Fahrermangel sowie rückläufige Stückgutmengen bei zwei Großkunden aus der Automobilzulieferindustrie belasteten die wirtschaftliche Entwicklung. Gleichzeitig war die Integration des übernommenen Unternehmens ausgeblieben. Unterschiedliche IT-Systeme und tarifliche Regelungen bestanden fort, Verwaltungsfunktionen wurden parallel vorgehalten.

Die Kontraktlogistikverträge basierten auf veralteten Kalkulationen. Gestiegene Kosten waren nicht an die Auftraggeber weitergegeben worden. Eine Deckungsbeitragsrechnung auf Vertragsebene fehlte, sodass die Wirtschaftlichkeit der einzelnen Kundenbeziehungen nicht ausreichend transparent war.

Die Kreditlinien waren vollständig ausgeschöpft, eine Zahlungsunfähigkeit drohte. Zwei Leasingraten waren bereits verspätet beglichen worden. Auf Empfehlung einer Hausbank wandte sich der kaufmännische Geschäftsführer an KAS.

Der kritische Punkt

Die Leasinggeber hatten angekündigt, die Verträge für ein Dutzend Zugmaschinen zu kündigen. Der Wegfall dieser Fahrzeuge hätte den laufenden Geschäftsbetrieb unmittelbar zum Erliegen gebracht. Für die Vorlage eines von den Leasinggebern akzeptierten Lösungskonzepts standen rund drei Wochen zur Verfügung. Auch die Hausbanken verlangten innerhalb dieses Zeitraums eine belastbare Entscheidungsgrundlage.

Zusätzlich erschwerte ein über vier Wochen bestehender Dissens zwischen den beiden Geschäftsführern die Abstimmung der Sanierungsmaßnahmen. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob der im Zuge des Zukaufs übernommene Standort geschlossen werden sollte.

Vorgehen

Die Geschäftsführung beauftragte KAS mit der Analyse der wirtschaftlichen Lage, der Entwicklung von Maßnahmen zur Sicherung der Zahlungsfähigkeit und der Erstellung eines Sanierungskonzepts für Banken und Leasinggeber. Der Auftrag umfasste außerdem die Begleitung der Umsetzung.

Kurzanalyse
In den ersten beiden Wochen erfassten wir die wirtschaftliche Ausgangslage, erstellten eine Deckungsbeitragsrechnung je Vertrag und Fahrzeug und bauten eine rollierende Liquiditätsplanung auf Wochenbasis auf.

Woche 1–2

Sanierungskonzept
In den Wochen drei bis sieben erarbeiteten wir ein Sanierungskonzept nach IDW S 6. Die wesentlichen Annahmen und Maßnahmen wurden mit der Geschäftsführung, den Hausbanken und den Leasinggebern abgestimmt.

Woche 3–7

Umsetzung
Ab dem dritten Monat begleiteten wir die Anpassung der Kundenverträge, die Zusammenlegung der Standorte und die Umsetzung der Finanzierungsmaßnahmen.

ab Monat 3

Sanierungscontrolling
Ein monatliches Sanierungsreporting mit Fortschreibung der Liquiditätsplanung machte die wirtschaftliche Entwicklung und den Stand der Maßnahmenumsetzung nachvollziehbar.

monatlich

Die Leasinggeber wurden frühzeitig in die Entwicklung der Lösung eingebunden. Anhand der Deckungsbeitragsrechnung je Fahrzeug zeigten wir, unter welchen Voraussetzungen die Flotte nach Anpassung der Kundenverträge wirtschaftlich betrieben werden konnte. Auf dieser Grundlage stimmten die Leasinggeber einer Stundung der Raten zu und verzichteten auf die angekündigten Kündigungen.

Schematische Darstellung: Deckungsbeitrag je Zugmaschine vor und nach Anpassung der Kundenverträge. Vor der Anpassung erzielte rund die Hälfte der Fahrzeuge einen negativen Deckungsbeitrag; nach Anpassung der Verträge war der Betrieb der Flotte wirtschaftlich darstellbar.

Ergebnis

Die Hausbanken akzeptierten das Sanierungskonzept und stellten eine Brückenfinanzierung bereit. Mit den Leasinggebern wurden Stundungsvereinbarungen geschlossen. Dadurch konnten die Zugmaschinen weiter eingesetzt und der Geschäftsbetrieb ohne Unterbrechung fortgeführt werden.

Die eingeführte Kalkulation je Vertrag und Fahrzeug schuf Transparenz über die Ergebnisbeiträge der einzelnen Aufträge. Durch die Zusammenführung der Standorte und Verwaltungsfunktionen wurden die seit dem Zukauf bestehenden Doppelstrukturen abgebaut.

Die Restrukturierung war mit Einschnitten verbunden: Ein Standort wurde aufgegeben, zwei dauerhaft defizitäre Kundenbeziehungen wurden beendet und rund zehn Arbeitsplätze entfielen. KAS begleitete die weitere Umsetzung durch ein monatliches Sanierungscontrolling.

Maßnahmen

Leistungswirtschaftlich
Eine Deckungsbeitragsrechnung je Vertrag und Fahrzeug wurde eingeführt.
Neun Kontraktlogistikverträge wurden neu verhandelt und um Indexklauseln zur Berücksichtigung von Diesel- und Mautkosten ergänzt.
Die beiden Lagerstandorte wurden zusammengelegt. Zwei dauerhaft defizitäre Kundenbeziehungen wurden beendet.
Die IT-Systeme des bestehenden und des übernommenen Unternehmens wurden zusammengeführt. Ergänzend wurden ein laufendes Controlling aufgebaut und die kaufmännische Leitung neu besetzt.
Finanzwirtschaftlich
Die Leasinggeber gewährten eine Stundung der Raten über sechs Monate.
Die Hausbanken stellten eine Brückenfinanzierung bereit und wandelten die in Anspruch genommene Kontokorrentfinanzierung in ein Darlehen um.
Vier Anhänger wurden im Rahmen von Sale-and-Lease-back-Transaktionen veräußert und anschließend weiter genutzt.
Eine rollierende Liquiditätsplanung auf Wochenbasis wurde eingeführt.

Praxistipps

Binden Sie Leasinggeber so früh ein wie Ihre Banken.
Bei einer leasingfinanzierten Flotte ist die weitere Bereitstellung der Fahrzeuge eine wesentliche Voraussetzung für den Geschäftsbetrieb. In diesem Fall schuf die transparente Darstellung der Wirtschaftlichkeit je Fahrzeug die Grundlage für die Stundungsvereinbarungen und den weiteren Einsatz der Zugmaschinen.
Vereinbaren Sie Indexklauseln in langfristigen Verträgen.
Langfristige Kundenverträge sollten Veränderungen wesentlicher Kostenpositionen angemessen berücksichtigen. Geeignete Anpassungsklauseln für Diesel- und Mautkosten können dazu beitragen, die Wirtschaftlichkeit der Verträge auch bei steigenden Kosten zu erhalten.
Integrieren Sie Zukäufe vollständig.
Nach einer Übernahme sollten IT-Systeme, Verwaltungsfunktionen und unterschiedliche Beschäftigungsbedingungen systematisch aufeinander abgestimmt werden. Die laufenden Kosten fortbestehender Doppelstrukturen gehören ebenso in diese Betrachtung wie der Aufwand und die Voraussetzungen ihrer Zusammenführung.

Vertraulichkeit. Alle Mandate sind anonymisiert dargestellt, Kennzahlen gerundet oder in Spannen angegeben. 

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