Kommunaler Kulturbetrieb: Planung und Controlling neu geordnet

Steckbrief
Branche Kommunalwirtschaft
Leistungen von KAS Unternehmensplanung und Plausibilisierung Sanierungscontrolling und Reporting
Geschäftsmodell Mehrspartiger Kulturbetrieb als kommunaler Eigenbetrieb, finanziert aus Eintrittserlösen und Zuweisungen des Trägers
Unternehmensgröße rund 700 Beschäftigte
Mandatsrahmen Untersuchung der Organisations- und Berichtsstrukturen im Controlling mit Empfehlungen zu Planungsprozess, Controlling und internem Berichtswesen · beauftragt durch die Verwaltungsdirektion
Ergebnis auf einen Blick
Gesamten Planungsprozess untersuchtMittelfristplanung, Spielplanung, Investitions- und Instandhaltungsplanung sowie Wirtschaftsplan.
Zehn Bereiche einbezogenGespräche mit Verwaltung, künstlerischen Leitungen, Technik, Marketing, Personal und Werkstätten.
Neue ControllingorganisationControlling vom Rechnungswesen getrennt und als Dienstleister für die Abteilungen aufgestellt.
Alle Empfehlungen umgesetztIst-Werte im Planungssystem, verbindlicher Planungsprozess mit Meilensteinen und interaktive Berichte in Power BI.

Ausgangslage

Der Kulturbetrieb wird als Eigenbetrieb einer Kommune geführt und bespielt mit mehreren Sparten eigene Bühnen. Die Leistungsvorgaben des Trägers legen unter anderem die Zahl der Vorstellungen je Sparte, durchschnittliche Preise und die angestrebte Auslastung fest. Sie bilden die Grundlage für Spielplan und Wirtschaftsplan.

Der künstlerische Bereich plant in Spielzeiten, die Verwaltung im Kalenderjahr. Die Spielplanung beginnt rund zwei Jahre vor der Spielzeit; der Wirtschaftsplan für das Folgejahr muss jedoch zu einem Zeitpunkt aufgestellt werden, an dem die zweite Hälfte des Planjahres noch auf Annahmen beruht. Abhängigkeiten von einem externen Orchester, technisch zunehmend aufwendige Produktionen und Baumaßnahmen erschweren die Planung zusätzlich.

Planung, Buchführung und Spielplanung liefen in verschiedenen Systemen, die nur teilweise und überwiegend manuell miteinander abgeglichen wurden. Plan-Ist-Vergleiche waren deshalb nur mit erheblichem Aufwand möglich. In den Abteilungen hatte sich ein dezentrales, überwiegend auf Tabellenkalkulation gestütztes Controlling entwickelt, dessen Qualität stark von den einzelnen Mitarbeitern abhing.

Der kritische Punkt

Die Leitung des Hauses benötigte belastbare und zeitnahe Informationen darüber, ob Spielplan und Budgets zueinander passen. Die fehlende Verbindung zwischen Planungs- und Buchführungssystem führte dazu, dass Planungsänderungen erst mit Verzögerungen von mehreren Wochen sichtbar wurden und Abweichungen spät erkannt wurden.

Zugleich war das Wissen über Kosten und Budgets in der Abteilung Rechnungswesen und Controlling gebunden, weil nicht alle Bereiche Zugriff auf die Buchführung hatten. Eine Neuordnung musste die Anforderungen eines Kulturbetriebs berücksichtigen, in dem künstlerischer Anspruch, öffentlicher Auftrag und Wirtschaftlichkeit gleichermaßen zu beachten sind.

Vorgehen

Die Verwaltungsdirektion beauftragte KAS, die Organisations- und Berichtsstrukturen des Controllings zu untersuchen und Empfehlungen für Planungsprozess, Controlling und internes Berichtswesen zu erarbeiten.

Gespräche in den Bereichen
Wir führten Gespräche mit den Verantwortlichen in Verwaltung, Rechnungswesen und Controlling, den künstlerischen Leitungen, Technik, Marketing, Personal, Gebäudemanagement und den Werkstätten. Dabei erfassten wir Aufgaben, Informationsbedarf und die tatsächlich genutzten Hilfsmittel.
Analyse der Planungsprozesse
Wir untersuchten Mittelfristplanung, Spielplanung, Investitions- und Instandhaltungsplanung sowie die Aufstellung des Wirtschaftsplans. Im Mittelpunkt standen Zeitpunkte, Zuständigkeiten und der Übergang zwischen Spielzeit und Kalenderjahr.
Analyse der Systeme
Wir betrachteten die eingesetzten Programme für Buchführung, Spielplanung, Wirtschaftsplanung, Ticketing und Instandhaltung sowie den Datenaustausch zwischen ihnen.
Controlling und Berichtswesen
Wir bewerteten die Aufgabenverteilung im Controlling sowie Inhalt, Rhythmus und Form der internen Berichte.
Empfehlungen
Wir fassten die Ergebnisse in einem Abschlussbericht zusammen und stellten sie der Leitung des Hauses vor.

Wesentlich war die Verbindung von Prozess- und Systemsicht. Die Gespräche zeigten, dass viele Schwierigkeiten nicht aus der Arbeit der einzelnen Bereiche entstanden, sondern aus fehlenden Schnittstellen und unklaren Meilensteinen im Planungsprozess.

Schematische Darstellung: Spielzeit und Wirtschaftsjahr. Der Wirtschaftsplan gilt für das Kalenderjahr, die Spielzeiten sind um ein halbes Jahr versetzt. Bei Aufstellung des Wirtschaftsplans im Vorjahr liegt der Spielplan nur für die erste Hälfte des Planjahres vor; die zweite Hälfte beruht noch auf Annahmen.

Ergebnis

Die Untersuchung ergab ein vollständiges Bild der Planungs- und Berichtswege. Für jeden Prozessschritt wurden Ist-Situation und konkrete Empfehlungen dargestellt.

Die Leitung des Hauses setzte alle Empfehlungen um. Das Controlling wurde vom Rechnungswesen getrennt und als eigenständiger Bereich aufgestellt, der die Abteilungen mit Auswertungen unterstützt. Die Ist-Werte der Buchführung werden in das Planungssystem übernommen, sodass Plan-Ist-Vergleiche zeitnah möglich sind.

Ein verbindlicher Planungsprozess mit Meilensteinen und Verantwortlichen verbindet seither die Spielplanung mit der Aufstellung des Wirtschaftsplans. Die Bereiche arbeiten auf einer gemeinsamen Datengrundlage, statt eigene Auswertungen zu pflegen.

Maßnahmen

Planungsprozess
Ein verbindlicher Planungsprozess mit Meilensteinen und Verantwortlichen legt fest, bis wann welche Stufen der Spielplanung abgeschlossen sein müssen.
Die Leistungsvorgaben werden regelmäßig überprüft. Eine Planungsrunde zur strategischen Ausrichtung mit Intendanz, Verwaltung, Sparten, Marketing und Controlling wurde eingerichtet.
Die Personalkostenplanung stellt auf voraussichtlich besetzte Stellen statt auf den vollständigen Stellenplan ab.
Controlling und Berichtswesen
Das Controlling wurde vom Rechnungswesen getrennt und als eigenständiger Bereich aufgestellt, der die Abteilungen als Dienstleister unterstützt.
Die Ist-Werte aus der Buchführung werden automatisch in das Planungssystem übernommen und ermöglichen zeitnahe Plan-Ist-Vergleiche.
Die Für das Berichtswesen wurde Power BI eingeführt. Die Berichte sind einheitlich aufgebaut, mit Warnsignalen versehen und stehen den Abteilungen als interaktive Auswertungen zur Verfügung.

Praxistipps

Verbinden Sie Spielzeit und Wirtschaftsjahr.
Wenn künstlerische Planung und Haushalt in unterschiedlichen Zeiträumen denken, entstehen Lücken in der Planung. In diesem Fall beruhte die zweite Hälfte des Planjahres bei Aufstellung des Wirtschaftsplans noch auf Annahmen. Verbindliche Meilensteine und die Orientierung an den Leistungsvorgaben verringern diese Unsicherheit.
Schließen Sie Plan und Ist zusammen.
Ein Controlling kann nur so schnell sein wie die Daten, auf die es zugreift. Hier wurden Planungsänderungen erst mit Wochen Verzögerung sichtbar, weil die Systeme manuell abgeglichen wurden. Eine automatische Übernahme der Ist-Werte ist deshalb eine Voraussetzung für zeitnahe Steuerung.
Stellen Sie Controlling als Dienstleister auf.
Wo das zentrale Controlling die Abteilungen nicht ausreichend versorgt, entstehen eigene Lösungen. Im vorliegenden Fall hatten sich in den Bereichen eigene Tabellen mit unterschiedlicher Qualität entwickelt. Ein Controlling, das Auswertungen bereitstellt und die Bereiche unterstützt, schafft eine gemeinsame Datengrundlage.

Vertraulichkeit. Alle Mandate sind anonymisiert dargestellt, Kennzahlen gerundet oder in Spannen angegeben. 

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