Feinkostherstellung: Preise neu kalkuliert, Fortführung gesichert

Steckbrief
Branche Lebensmittel
Leistungen von KAS Kurzanalyse und IBR Prüfung auf Insolvenzgründe 13-Wochen-Liquiditätsplanung Unternehmensplanung und Plausibilisierung Fortbestehensprognose Sanierungskonzepte und Sanierungsgutachten Operative Ergebnisverbesserung Finanzierung und Refinanzierung
Geschäftsmodell Herstellung von Feinkostsalaten, Brotaufstrichen, Saucen und Dressings für Handel, Fleischereien und Gastronomie, auch unter Kundenetikett
Unternehmensgröße rund 20 Mitarbeiter · Umsatz im einstelligen Millionenbereich
Mandatsrahmen Sanierungskonzept in Anlehnung an IDW S 6 zur Bankvorlage mit Liquiditätsplanung auf Wochenbasis, Prüfung der Insolvenzgründe und Fortbestehensprognose · beauftragt durch den geschäftsführenden Gesellschafter
Ergebnis auf einen Blick
Positive FortbestehensprognosePositive Beurteilung zum Stichtag des Konzepts unter Berücksichtigung der vorgesehenen Sanierungsmaßnahmen.
Deckungsbeiträge offengelegtNeue Kalkulation für alle Produkte, Gebindegrößen und Verkaufskategorien als Grundlage für Preisverhandlungen.
Kundenstamm bereinigtKonzentration auf die umsatzstarken Kunden und Gewinnung eines neuen Großabnehmers.
Konzept vollständig umgesetztDie Hausbank trug das Konzept mit; Preisanpassungen, neuer Großabnehmer und Maschinenfinanzierung wurden umgesetzt.

Ausgangslage

Das inhabergeführte Unternehmen stellt Feinkostsalate, Brotaufstriche, Süßspeisen, Saucen und Dressings her. Das Sortiment umfasst weit über hundert Artikel, die in verschiedenen Gebindegrößen und auf Wunsch unter Kundenetikett geliefert werden. Zu den Abnehmern gehören Handelsunternehmen, Fleischereien und Konditoreien; wenige Kunden stehen für den überwiegenden Teil des Umsatzes.

Seit der Gründung erzielte das Unternehmen nur schwache operative Ergebnisse, die Jahresergebnisse waren mit einer Ausnahme negativ. Viele Verkaufspreise waren über mehrere Jahre nicht angepasst worden. Die Berechnung der Deckungsbeiträge war teilweise fehlerhaft, sodass die tatsächlich erzielten Margen deutlich unter den erwarteten lagen.

Zusätzlich belasteten Geschäftsbeziehungen zu einem nahestehenden Vertriebsunternehmen die Liquidität. Lieferungen an dieses Unternehmen wurden nicht vollständig bezahlt, und nach dessen Insolvenz war ein Teil der Forderungen uneinbringlich. Die Hausbank verlangte vor ihrer weiteren Begleitung ein Sanierungskonzept.

Der kritische Punkt

Unter Liquidationswerten bestand eine rechnerische Überschuldung. Die Fortführung setzte deshalb eine positive Fortbestehensprognose voraus, die sich auf eine nachvollziehbare Verbesserung der Ertragslage stützen musste.

Wesentlich war die Frage, ob die Produkte zu den bestehenden Preisen überhaupt einen ausreichenden Deckungsbeitrag erwirtschafteten. Ohne eine verlässliche Kalkulation ließ sich weder eine belastbare Planung aufstellen noch mit den Kunden über Preise verhandeln.

Vorgehen

Der geschäftsführende Gesellschafter beauftragte KAS mit einem Sanierungskonzept in Anlehnung an IDW S 6 zur Vorlage bei der Hausbank.

Liquiditätsplanung
Zu Beginn erstellten wir eine Liquiditätsplanung auf Wochenbasis für die folgenden Monate, um die Zahlungsfähigkeit während der Konzepterstellung zu überwachen.
Analyse der Lage
Wir untersuchten Ertrags-, Vermögens- und Finanzlage, Markt und Wettbewerb sowie die Organisation. Ergänzend werteten wir die Geschäftsbeziehungen zu nahestehenden Unternehmen aus und stellten einen Überschuldungsstatus auf.
Kalkulation
Wir überarbeiteten die Kalkulation des Unternehmens und berechneten die Deckungsbeiträge für alle Produkte, Gebindegrößen und Verkaufskategorien. Die tatsächlich erzielten Deckungsbeiträge lagen teilweise deutlich unter den erwarteten.
Integrierte Planung
Wir planten den Umsatz für die wichtigsten Kunden auf Produktebene und überführten die Maßnahmen in eine Ergebnis-, Investitions-, Kapitaldienst-, Liquiditäts- und Bilanzplanung. Zwei Szenarien zeigten die Wirkung unterschiedlicher Margen.
Prüfung der Insolvenzgründe
Wir prüften Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung und beurteilten die Fortbestehensprognose sowie die Sanierungsfähigkeit unter Berücksichtigung der vorgesehenen Maßnahmen.

Eine wesentliche Grundlage des Konzepts war die neue Kalkulation. Sie zeigte, welche Produkte und Kunden einen ausreichenden Ergebnisbeitrag leisteten, und gab dem Unternehmen ein Werkzeug für künftige Preisverhandlungen mit bestehenden und neuen Kunden an die Hand.

Schematische Darstellung: erwartete und tatsächlich erzielte Deckungsbeiträge je Produkt. Die überarbeitete Kalkulation zeigte, dass die tatsächlichen Deckungsbeiträge vieler Produkte teilweise deutlich unter den erwarteten lagen.

Ergebnis

Zum Stichtag des Konzepts ergab sich unter Berücksichtigung der vorgesehenen Maßnahmen eine positive Fortbestehensprognose. Zahlungsunfähigkeit lag nicht vor; die rechnerische Überschuldung unter Liquidationswerten begründete bei positiver Fortbestehensprognose keine Insolvenzantragspflicht. Die Planung zeigte, dass die bestehenden Darlehen aus dem laufenden Geschäft bedient werden können.

Die Hausbank trug das Sanierungskonzept mit und begleitete das Unternehmen weiter. Die vorgesehenen Maßnahmen wurden anschließend vollständig umgesetzt. Auf Grundlage der neuen Kalkulation wurden die Verkaufspreise angepasst, und der neue Großabnehmer wurde beliefert.

Die Sanierung war mit einer Bereinigung des Kundenstamms verbunden: Kunden, deren Belieferung keinen ausreichenden Deckungsbeitrag erbrachte, wurden nicht weiter beliefert. Zugleich verfügt das Unternehmen seither über eine Kalkulationsgrundlage, mit der es Preise gegenüber bestehenden und neuen Kunden nachvollziehbar begründen kann.

Maßnahmen

Leistungswirtschaftlich
Eine Kalkulation der Deckungsbeiträge je Produkt, Gebindegröße und Verkaufskategorie bildet die Grundlage für Preisverhandlungen mit bestehenden und neuen Kunden.
Der Kundenstamm wurde bereinigt; die Betreuung der Schlüsselkunden blieb beim Geschäftsführer, ein neuer Vertriebsmitarbeiter übernahm Bestandskunden und Akquise.
Mit einem Großlieferanten für Fleischereien und Gastronomie wurde ein neuer Abnehmer gewonnen. Handelsvertreter arbeiten auf Basis vorgegebener Mindestverkaufspreise.
Einkaufskonditionen für wesentliche Rohstoffe wurden, wo möglich, längerfristig gesichert.
Finanzwirtschaftlich
Die Hausbank führte die bestehenden Darlehen unverändert fort.
Neue Maschinen wurden zur Risikostreuung über einen weiteren Finanzierungspartner finanziert. Der Umbau von Büro und Sozialräumen wurde an das Erreichen der Planwerte geknüpft.
Die Kontokorrentlinie wurde ab dem übernächsten Jahr schrittweise zurückgeführt.

Praxistipps

Prüfen Sie Ihre Deckungsbeiträge regelmäßig.
Bei vielen Produkten und Gebindegrößen kann der tatsächliche Ergebnisbeitrag deutlich von der Annahme abweichen. In diesem Fall lagen die erzielten Deckungsbeiträge teilweise erheblich unter den erwarteten. Eine regelmäßige Nachrechnung je Produkt und Kunde schafft die Grundlage für Preisentscheidungen.
Passen Sie Preise laufend an.
Steigende Rohstoff- und Personalkosten sollten zeitnah in die Verkaufspreise einfließen. Hier waren viele Preise über mehrere Jahre unverändert geblieben. Eine feste Kalkulationsgrundlage erleichtert es, Anpassungen gegenüber Kunden zu begründen.
Trennen Sie Geschäftsbeziehungen zum nahestehenden Umfeld klar.
Lieferungen an nahestehende Unternehmen sollten zu marktüblichen Bedingungen erfolgen und wie bei jedem anderen Kunden bezahlt werden. Im vorliegenden Fall führten offene Forderungen gegenüber einem solchen Unternehmen nach dessen Insolvenz zu Verlusten. Klare Zahlungsbedingungen schützen die Liquidität des eigenen Unternehmens.

Vertraulichkeit. Alle Mandate sind anonymisiert dargestellt, Kennzahlen gerundet oder in Spannen angegeben. 

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