Metallrecycling: Zahlungsfähigkeit trotz Beiratskonflikt gesichert

Steckbrief
Branche Energie und Rohstoffe
Leistungen von KAS Kurzanalyse und IBR Geschäftsführerhaftung in der Krise 13-Wochen-Liquiditätsplanung Unternehmensplanung und Plausibilisierung Bewertung von Sanierungsoptionen Sanierungskonzepte und Sanierungsgutachten Operative Ergebnisverbesserung Sanierungscontrolling und Reporting Finanzierung und Refinanzierung
Geschäftsmodell Ankauf, Sortierung und Zerkleinerung von Altmetall, Verkauf an Stahlwerke und Gießereien; dazu ein Containerdienst für Gewerbekunden
Unternehmensgröße rund 120 Mitarbeiter · Umsatz im mittleren zweistelligen Millionenbereich · zwei Betriebsstandorte und Verwaltung
Mandatsrahmen Kurzanalyse, Bewertung der Sanierungsoptionen, Sanierungskonzept nach IDW S 6 zur Vorlage bei Hausbank und Bürgschaftsinstitut, Begleitung der Umsetzung · beauftragt durch die Geschäftsführung mit Zustimmung des Beirats
Ergebnis auf einen Blick
Rund 105 von rund 120 Arbeitsplätzen erhaltender Abbau überwiegend über Altersteilzeit und Fluktuation
Finanzierung im mittleren einstelligen Millionenbereichvon Hausbank und Bürgschaftsinstitut gestellt und abgesichert
Positives Ergebnis im ersten Planjahrnach Neuordnung von Ankauf, Lager und Standorten
Zustimmung aller BeteiligtenHausbank und Bürgschaftsinstitut, der Beirat einstimmig zur neuen Geschäftsordnung

Ausgangslage

Das Unternehmen kauft Altmetalle an, sortiert und zerkleinert sie und beliefert Stahlwerke und Gießereien. Für seine Größenordnung verfügt es über eine vergleichsweise hohe Verarbeitungstiefe. Dazu gehört eine eigene Schredderanlage, die über Leasing und Darlehen finanziert ist.

Sinkende Schrottpreise über zwei aufeinanderfolgende Jahre und steigende Energiekosten belasteten die Wirtschaftlichkeit erheblich. Die energieintensive Schredderanlage verursachte zugleich einen Kapitaldienst, der unabhängig von der verarbeiteten Menge zu leisten war. Zusätzlich reduzierte ein bedeutender Abnehmer aus der Gießereiindustrie seine Abnahmemengen um die Hälfte.

Eine Deckungsbeitragsrechnung fehlte. Die Steuerung orientierte sich überwiegend an Tonnage und Umsatz. Welchen Ergebnisbeitrag einzelne Schrottsorten nach Berücksichtigung der Transport-, Energie- und Anlagenkosten leisteten, war nicht ausreichend transparent. Die Verantwortung für den Ankauf lag dezentral bei den Platzleitern.

Als sich der kaufmännische Leiter an KAS wandte, war die Kontokorrentlinie vollständig ausgeschöpft. Lieferantenverbindlichkeiten waren überfällig, Sozialversicherungsbeiträge seit einem Monat rückständig. Die Hausbank hatte die Kreditlinie bereits zweimal erhöht und verlangte vor einer weiteren Ausweitung eine belastbare Beurteilung der Fortführungsfähigkeit.

Der kritische Punkt

Bereits in der zweiten Woche zeigte die Überprüfung der Lagerbestände, dass deren Buchwerte deutlich über den aktuellen Marktpreisen lagen. Der daraus resultierende Abschreibungsbedarf verschlechterte die Eigenkapitalsituation gegenüber dem bisherigen Informationsstand der Hausbank.

Zugleich wurde deutlich, dass ein unveränderter Weiterbetrieb beider Plätze wirtschaftlich nicht tragfähig war. Die zunächst vorgesehene Schließung eines Standorts fand jedoch keine Zustimmung im Beirat, in dem die Eigentümerfamilie vertreten war. Während die Entscheidung ausstand, verschärfte sich die Liquiditätslage weiter.

Damit mussten die Tragfähigkeit der Standortlösung und die verfügbaren Sanierungswege parallel geprüft werden. Ein Restrukturierungsplan nach dem StaRUG steht nur bis zum Eintritt der Zahlungsunfähigkeit offen; die Lagerabwertung hatte den zeitlichen Spielraum dafür verkürzt.

Vorgehen

Die Geschäftsführung beauftragte KAS mit Zustimmung des Beirats, die wirtschaftliche Lage zu analysieren, Maßnahmen zur Sicherung der Zahlungsfähigkeit zu entwickeln und ein Sanierungskonzept nach IDW S 6 für die Hausbank und das Bürgschaftsinstitut zu erstellen. Der Auftrag umfasste außerdem die Begleitung der Umsetzung.

Kurzanalyse
In den ersten beiden Wochen überprüften wir die Bewertung der Lagerbestände und erstellten eine erste Liquiditätsplanung auf Wochenbasis.

Woche 1–2

Bewertung der Sanierungsoptionen
Wir verglichen die außergerichtliche Sanierung, einen Restrukturierungsplan nach dem StaRUG sowie Schutzschirm und Eigenverwaltung anhand von sieben gemeinsam gewichteten Kriterien. Vorgelagert wurden die jeweiligen Zugangsvoraussetzungen und die Finanzierbarkeit geprüft. Die Auswertung auf Belegebene bildete die Grundlage, um den zeitlichen Handlungsspielraum der einzelnen Optionen einzuschätzen.
Sanierungskonzept
Ein wesentlicher Teil der Konzeptphase entfiel auf die Abstimmung der künftigen Standortstruktur mit dem Beirat. Grundlage waren die wirtschaftlichen Beiträge der beiden Plätze und die Auswirkungen unterschiedlicher Betriebsmodelle.
Umsetzung
Ab dem dritten Monat begleiteten wir die Maßnahmenumsetzung durch ein monatliches Sanierungscontrolling.

ab Monat 3 · monatlich

Für die Entscheidung über den zweiten Standort stellten wir dessen Kosten und Erlöse je Tonne gegenüber. Darauf aufbauend wurden drei Szenarien untersucht: der unveränderte Weiterbetrieb, die vollständige Schließung und die Nutzung als reiner Umschlagplatz ohne eigenes Personal. Die dritte Variante erwies sich als wirtschaftlich tragfähig und fand zugleich die Zustimmung der Eigentümerfamilie.

Schematische Darstellung: zeitlicher Spielraum für die Sanierungswege. Die Abwertung der Lagerbestände verkürzte den Zeitraum bis zur drohenden Zahlungsunfähigkeit, bis zu dem ein Restrukturierungsplan nach dem StaRUG offensteht. Die Abstimmung der Standortstruktur mit dem Beirat und die Bewertung der Sanierungsoptionen liefen deshalb parallel.

Nach jeder Beiratssitzung informierten wir die Hausbank über den Entscheidungsstand und die nächsten Schritte. Diese Transparenz unterstützte ihre Bereitschaft, den verlängerten Abstimmungsprozess mitzutragen.

Die Optionsbewertung dokumentierte zudem für die Geschäftsführung, welche Handlungsalternativen zu welchem Zeitpunkt geprüft worden waren und aus welchen Gründen einzelne Wege weiterverfolgt oder verworfen wurden.

Ergebnis

Die Zahlungsfähigkeit konnte wieder gesichert und der Rückstand bei den Sozialversicherungsbeiträgen ausgeglichen werden. Die Hausbank stellte eine neue Finanzierungslinie bereit, deren Absicherung gemeinsam mit dem Bürgschaftsinstitut ermöglicht wurde. Der erforderliche Personalabbau ließ sich überwiegend sozialverträglich gestalten. Die Umsetzung der Maßnahmen wurde im monatlichen Sanierungscontrolling überprüft.

Der vollständige Betrieb beider Plätze konnte nicht erhalten werden. Einer der Standorte wurde auf eine reine Umschlagfunktion ohne eigenes Personal reduziert. Wesentlich für die wirtschaftliche Stabilisierung waren außerdem verbindliche Vorgaben für den Ankauf. Die Geschäftsführung setzte eine zentrale Preissteuerung um und begrenzte damit die zuvor bestehenden Entscheidungsspielräume der Platzleiter.

Maßnahmen

Leistungswirtschaftlich
Eine Deckungsbeitragsrechnung je Schrottsorte und Standort wurde eingeführt. Zwei Sorten mit dauerhaft negativen Deckungsbeiträgen wurden aus dem Ankauf genommen.
Die Steuerung der Ankaufspreise wurde zentralisiert. Die Platzleiter erhalten täglich verbindliche Preisbänder. Ergänzend wurde eine Stelle für das Einkaufscontrolling geschaffen.
Die Lagerreichweite wurde für jede Schrottsorte begrenzt.
Einer der beiden Standorte wurde auf einen reinen Umschlagplatz ohne eigenes Personal umgestellt.
Eine Geschäftsordnung regelte die Entscheidungszuständigkeiten von Beirat und Geschäftsführung.
Finanzwirtschaftlich
Eine rollierende Liquiditätsplanung auf Wochenbasis mit einem Planungshorizont von 13 Wochen wurde aufgebaut.
Die Tilgung der Schredderfinanzierung wurde für neun Monate ausgesetzt.
Ein Teil der Kontokorrentfinanzierung wurde in ein Darlehen umgewandelt und durch eine öffentliche Ausfallbürgschaft abgesichert.
Rund zehn Fahrzeuge wurden im Rahmen von Sale-and-Lease-back-Transaktionen veräußert und anschließend weiter genutzt.

Praxistipps

Steuern Sie die Lagerreichweite.
Bei fallenden Rohstoffpreisen können hohe Bestände erhebliche Bewertungsverluste verursachen und zugleich Liquidität binden. In diesem Fall lagen die Buchwerte deutlich über den aktuellen Marktpreisen. Eine Steuerung nach Schrottsorten und Lagerreichweiten hilft, diese Risiken frühzeitig zu erkennen und zu begrenzen.
Prüfen Sie die Finanzierung eigener Anlagen am schlechten Jahr.
Eigene Verarbeitungsanlagen ermöglichen eine höhere Verarbeitungstiefe und Einfluss auf die Qualität. Ihr Kapitaldienst fällt jedoch auch bei geringer Auslastung an. Die Investitionsplanung sollte deshalb berücksichtigen, welche Verarbeitungsmengen und Margen erforderlich sind, um die Finanzierung auch in einem schwachen Geschäftsjahr zu tragen.
Klären Sie Zuständigkeiten vor der Krise.
Eine Geschäftsordnung sollte die Entscheidungsbefugnisse von Geschäftsführung und Aufsichtsgremien eindeutig festlegen. Eine dokumentierte Bewertung der Handlungsalternativen schafft eine gemeinsame Entscheidungsgrundlage und macht die Folgen verzögerter Beschlüsse transparent.
Informieren Sie Ihre Bank fortlaufend.
Auch Verzögerungen und ungünstige Zwischenstände sollten frühzeitig besprochen werden. In diesem Fall unterstützte die regelmäßige Information nach den Beiratssitzungen die Bereitschaft der Hausbank, den Abstimmungsprozess weiter zu begleiten.

Vertraulichkeit. Alle Mandate sind anonymisiert dargestellt, Kennzahlen gerundet oder in Spannen angegeben. 

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