Spezialtiefbau: Gläubigervergleich sichert die Fortführung

Steckbrief
Branche Baugewerbe
Leistungen von KAS Kurzanalyse und IBR Prüfung auf Insolvenzgründe 13-Wochen-Liquiditätsplanung Unternehmensplanung und Plausibilisierung Fortbestehensprognose Sanierungskonzepte und Sanierungsgutachten Operative Ergebnisverbesserung Finanzierung und Refinanzierung
Geschäftsmodell Spezialtiefbau für gewerbliche und technische Anlagen, mit bundesweitem Montageeinsatz
Unternehmensgröße rund 20 Mitarbeiter · Umsatz im einstelligen Millionenbereich
Mandatsrahmen Sanierungskonzept mit Prüfung der Insolvenzgründe und Fortführungsplanung als Grundlage für einen außergerichtlichen Vergleich mit den Gläubigern · beauftragt durch die Geschäftsführung
Ergebnis auf einen Blick
Außergerichtlicher VergleichVerzicht der Lieferanten auf rund drei Viertel ihrer Forderungen.
Beiträge aller BeteiligtenAbgestimmte Sanierungsbeiträge von Hausbank, Geschäftsführer, Vermieter und gesellschafternahen Geldgebern.
Positive FortbestehensprognosePositive Beurteilung unter Berücksichtigung der Sanierungsmaßnahmen, die anschließend vollständig umgesetzt wurden.
Neue Steuerung der BaustellenEinführung einer integrierten Vor- und Nachkalkulation sowie einer täglichen Risikobewertung auf Projektebene.

Ausgangslage

Das inhabergeführte Unternehmen erbringt Leistungen im Spezialtiefbau für gewerbliche und technische Anlagen. Die Aufträge werden bundesweit mit eigenen Montagekolonnen ausgeführt. Bei rund 20 Beschäftigten, überwiegend im gewerblichen Bereich, wird die Wirtschaftlichkeit wesentlich durch die produktiv eingesetzten und abrechenbaren Arbeitsstunden bestimmt.

Verzögerungen auf Großbaustellen, die durch die Organisation auf Auftraggeberseite entstanden, führten zu erheblichen Ausfallzeiten. Die betroffenen Mitarbeiter konnten nicht kurzfristig auf andere Projekte umgesetzt werden. Ein über mehrere Monate hoher Krankenstand verschärfte die Kapazitätsengpässe. Zugleich erschwerten der hohe Altersdurchschnitt der Belegschaft und der Fachkräftemangel die Personalplanung und Nachbesetzung. Immer mehr große Auftraggeber verlangten zudem eine Sicherheitszertifizierung, über die das Unternehmen nicht verfügte.

Intern fehlten eine systematische Projektnachkalkulation, eine Übersicht über die produktiven Stunden sowie ein betriebswirtschaftliches Planungs- und Auswertungssystem. Nachträge wurden nicht konsequent geltend gemacht. Die Lieferantenverbindlichkeiten stiegen, und die Zahlungsfähigkeit war gefährdet.

Der kritische Punkt

Die aufgelaufenen Lieferantenverbindlichkeiten konnten aus den erwarteten Mittelzuflüssen des laufenden Geschäfts nicht mehr vollständig zurückgeführt werden. Die Fortführung setzte deshalb einen außergerichtlichen Vergleich mit einem wesentlichen Forderungsverzicht der Gläubiger voraus.

Für deren Zustimmung musste nachvollziehbar sein, dass das Unternehmen nach der finanziellen Entlastung wirtschaftlich tragfähig fortgeführt werden konnte. Ebenso entscheidend war, dass auch die weiteren Beteiligten angemessene und erkennbare Sanierungsbeiträge leisteten.

Vorgehen

Die Geschäftsführung beauftragte KAS mit der Erstellung eines Sanierungskonzepts als Grundlage für die Verhandlungen mit den Gläubigern und der Hausbank.

Analyse der Lage
Wir untersuchten die Ertrags-, Vermögens- und Liquiditätslage sowie die Finanzierungsstruktur. Ergänzend analysierten wir die Organisation, die Auslastung der gewerblichen Mitarbeiter und das Markt- und Wettbewerbsumfeld.
Krisenursachen
Die festgestellten Ursachen wurden den einzelnen Krisenstadien zugeordnet. Die Analyse umfasste die Stakeholder- und Strategiekrise ebenso wie die Absatz-, Erfolgs- und Liquiditätskrise.
Maßnahmen und Vergleich
Gemeinsam mit der Geschäftsführung entwickelten wir die leistungs- und finanzwirtschaftlichen Maßnahmen. Die Ausgestaltung des Vergleichs berücksichtigte die Beiträge der einzelnen Beteiligten und deren Wirkung auf die künftige Finanzierungs- und Liquiditätssituation.
Integrierte Planung
Die Maßnahmen wurden in eine integrierte Ertrags-, Liquiditäts- und Bilanzplanung überführt. Grundlage waren die voraussichtlich abrechenbaren Arbeitsstunden und eine realistische Auslastung der verfügbaren Personalkapazitäten.
Prüfung der Insolvenzgründe
Wir prüften das Vorliegen von Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung und beurteilten die Fortbestehensprognose unter Berücksichtigung der vorgesehenen Maßnahmen.

Eine wesentliche Voraussetzung für die Einigung war die transparente Darstellung der Sanierungsbeiträge. Dem Forderungsverzicht der Lieferanten wurden die Beiträge der Hausbank, der Geschäftsführung, des Vermieters und der gesellschafternahen Geldgeber gegenübergestellt. Die Planung zeigte, wie diese Entlastungen zusammen mit den operativen Verbesserungen eine tragfähige Fortführung ermöglichen konnten.

Schematische Darstellung: Sanierungsbeiträge im außergerichtlichen Vergleich. Die Lieferanten verzichteten auf den größten Teil ihrer Forderungen, die verbleibende Vergleichsquote finanzierte die Hausbank mit einem Darlehen ohne laufende Tilgung. Geschäftsführer, Vermieter und gesellschafternahe Geldgeber leisteten weitere Beiträge.

Ergebnis

Die Gläubiger stimmten dem außergerichtlichen Vergleich zu. Zum Stichtag des Konzepts ergab sich unter Berücksichtigung der vorgesehenen Maßnahmen eine positive Fortbestehensprognose; die integrierte Planung wies wieder positive Zahlungsüberschüsse aus. Die Maßnahmen wurden anschließend vollständig umgesetzt.

Die finanzielle Stabilisierung erforderte erhebliche Beiträge aller Beteiligten. Die Lieferanten verzichteten auf einen wesentlichen Teil ihrer Forderungen, der Geschäftsführer reduzierte seine Vergütung, und die Verwaltung wurde personell verkleinert.

Parallel entstanden die kaufmännischen Grundlagen für eine gezieltere Projektsteuerung. Arbeitsstunden, Projektrisiken und Deckungsbeiträge können seither systematisch in die Planung und Bewertung der Baustellen einbezogen werden.

Maßnahmen

Leistungswirtschaftlich
Eine integrierte Vor- und Nachkalkulation wurde eingeführt. Ein Bautruppführer bewertet täglich die Risiken der einzelnen Projekte.
Der überwiegende Teil der gewerblichen Mitarbeiter wurde im Hinblick auf die branchenübliche Sicherheitszertifizierung geschult. Damit wurden Voraussetzungen für den Zugang zu größeren Auftraggebern geschaffen.
Ein neuer Kontenrahmen vereinheitlichte die Buchführung zwischen Steuerbüro und interner Buchhaltung und verbesserte die Grundlage für betriebswirtschaftliche Auswertungen.
Die Verwaltung wurde verkleinert und der Betriebsleiter stärker in die Betreuung der Baustellen eingebunden. Ein überarbeiteter Außenauftritt unterstützt die Aufnahme in Bieterpools und die Gewinnung von Fachkräften.
Finanzwirtschaftlich
Die Lieferanten verzichteten im Rahmen des Vergleichs auf den größten Teil ihrer Forderungen. Die verbleibende Vergleichsquote wurde durch ein Darlehen der Hausbank ohne laufende Tilgung finanziert.
Der Geschäftsführer reduzierte seine Vergütung.
Der Vermieter der Betriebsimmobilie verzichtete auf rückständige Mietforderungen und senkte die Miete für mehrere Jahre.
Gesellschafternahe Geldgeber verzichteten vollständig auf ihre Forderungen.

Praxistipps

Steuern Sie nach verkauften Stunden.
In montageintensiven Unternehmen ist die Zahl der produktiv eingesetzten und abrechenbaren Stunden eine wesentliche Steuerungsgröße. In diesem Fall entstanden die Verluste insbesondere durch Personalzeiten, die infolge verzögerter Baustellen nicht abgerechnet werden konnten. Eine regelmäßige Auswertung macht solche Abweichungen frühzeitig sichtbar.
Verteilen Sie die Lasten eines Vergleichs sichtbar.
Ein nachvollziehbares Gesamtkonzept kann die Bereitschaft zu einem Forderungsverzicht unterstützen. Hier wurden dem Verzicht der Lieferanten die Beiträge von Hausbank, Geschäftsführung, Vermieter und gesellschafternahen Geldgebern im Konzept gegenübergestellt. Es sollte deutlich machen, welche Beiträge Gläubiger, Gesellschafter, Geschäftsführung und weitere Beteiligte leisten und wie diese gemeinsam zur Fortführung beitragen.
Sichern Sie den Zugang zu Ihren Auftraggebern.
Zertifizierungen und Präqualifikationen können Voraussetzung für die Teilnahme an Ausschreibungen oder die Aufnahme in Bieterpools sein. Im vorliegenden Fall begrenzte die fehlende Sicherheitszertifizierung den Zugang zu großen Auftraggebern. Solche Anforderungen sollten frühzeitig erfasst und in der Personal- und Unternehmensentwicklung berücksichtigt werden.

Vertraulichkeit. Alle Mandate sind anonymisiert dargestellt, Kennzahlen gerundet oder in Spannen angegeben. 

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