Onlinehandel: Verkauf an internationalen Wettbewerber

Steckbrief
Branche Handel
Leistungen von KAS Kurzanalyse und IBR Prüfung auf Insolvenzgründe 13-Wochen-Liquiditätsplanung Unternehmensplanung und Plausibilisierung Eigenverwaltung und Insolvenzplan Unternehmensverkauf / Distressed M&A
Geschäftsmodell Online-Fachhandel in zwei saisonal geprägten Sortimentsnischen mit eigenen Shops, Marktplatzvertrieb, eigener Logistik und Versanddienstleistungen für Dritte
Unternehmensgröße kleines Stammteam mit saisonaler Verstärkung · Umsatz im einstelligen Millionenbereich
Mandatsrahmen Liquiditäts- und Unternehmensplanung, Begleitung in das Insolvenzverfahren sowie Strukturierung und Durchführung des Verkaufsprozesses für Unternehmer und Insolvenzverwalter · beauftragt durch den geschäftsführenden Gesellschafter
Ergebnis auf einen Blick
Verkauf an einen WettbewerberÜbernahme des Geschäftsbetriebs durch einen strategischen Erwerber aus dem europäischen Ausland.
Internationaler BieterkreisGezielte Einbindung ausländischer Interessenten aufgrund der begrenzten Zahl potenzieller Erwerber im deutschen Markt.
Verhandlungen aus einer HandStrukturierung des Verkaufsprozesses, Aufbereitung der Unterlagen und Verhandlungsführung in deutscher und englischer Sprache durch KAS.

Ausgangslage

Das Unternehmen betrieb mehrere spezialisierte Online-Shops in zwei Sortimentsnischen. In einem dieser Segmente nahm es eine marktführende Stellung in Deutschland ein. Ergänzend zum Vertrieb über eigene Shops und Online-Marktplätze übernahm es die Auftragsabwicklung für Dritte. Eine eigene Logistik ermöglichte die Auslieferung innerhalb eines Tages nach Bestelleingang.

Das Geschäftsmodell war durch ausgeprägte saisonale Schwankungen gekennzeichnet. In einem der beiden Sortimente reichte das Auftragsvolumen von nahezu ausbleibender Nachfrage im Sommer bis zu mehreren Tausend Bestellungen täglich im Vorweihnachtsgeschäft. Ein wesentlicher Teil des Jahresumsatzes und des Ergebnisses wurde innerhalb weniger Wochen im Herbst erwirtschaftet.

Der Unternehmer wandte sich zunächst mit Fragen zur Liquidität und Unternehmensplanung an KAS. Kurz vor Beginn der Hochsaison verlagerte das Unternehmen seinen gesamten Lagerbestand an einen neuen Standort. Erhebliche Verzögerungen während des Umzugs beeinträchtigten die Lieferfähigkeit, sodass Bestellungen in der entscheidenden Absatzphase nicht rechtzeitig ausgeliefert werden konnten.

Der kritische Punkt

Durch den Ausfall eines wesentlichen Teils des Saisongeschäfts fehlten die Mittel, die üblicherweise zur Finanzierung der umsatzschwächeren Monate dienten. Die entstehende Liquiditätslücke konnte aus eigener Kraft nicht geschlossen werden. Innerhalb kurzer Zeit trat Zahlungsunfähigkeit ein.

Für den Erhalt des Geschäftsbetriebs war deshalb eine zügige Erwerbersuche im Insolvenzverfahren erforderlich. Da die Zahl geeigneter Käufer innerhalb der deutschen Marktnische begrenzt war, wurde der Verkaufsprozess von Beginn an international ausgerichtet.

Vorgehen

KAS wurde zunächst mit der Untersuchung von Liquiditäts- und Planungsfragen beauftragt. Nach dem Ausfall der Hochsaison begleiteten wir den Unternehmer bei den Schritten in das Insolvenzverfahren und strukturierten den Verkaufsprozess in Abstimmung mit ihm und dem Insolvenzverwalter.

Liquidität und Planung
Wir analysierten die Liquiditätslage und die Unternehmensplanung unter besonderer Berücksichtigung des Saisonverlaufs. Die Auswertung zeigte, dass die entgangenen Umsätze der Hochsaison im verbleibenden Geschäftsjahr nicht mehr ausgeglichen werden konnten.
Begleitung in das Verfahren
Wir unterstützten den Unternehmer bei der Vorbereitung des Insolvenzantrags und stimmten das weitere Vorgehen mit dem Insolvenzverwalter ab.
Vorbereitung des Verkaufs
Für die Ansprache potenzieller Erwerber erstellten wir eine Unternehmensbeschreibung mit Angaben zu Sortimenten, Vertriebskanälen, Logistik und Wettbewerbsposition. Ergänzend bereiteten wir die Planungsunterlagen für die Prüfung durch Interessenten auf.
Internationale Ansprache
Wir identifizierten und kontaktierten gezielt Wettbewerber und strategische Interessenten im europäischen Ausland. Im Mittelpunkt standen Unternehmen, für die der bestehende Zugang zum deutschen Markt eine Ergänzung ihres Geschäfts darstellte.
Verhandlungen und Abschluss
Wir führten die Verhandlungen mit den Interessenten in deutscher und englischer Sprache und begleiteten den Abschluss mit dem Erwerber in Abstimmung mit dem Insolvenzverwalter.

Die internationale Ausrichtung erweiterte den Kreis geeigneter Interessenten. Für ausländische Wettbewerber boten die etablierten Shops, der Kundenstamm, die Sortimentskompetenz und die vorhandene Logistik einen konkreten strategischen Nutzen. Die Übernahme ermöglichte einen Zugang zum deutschen Markt, dessen eigenständiger Aufbau erheblichen Aufwand erfordert hätte.

Schematische Darstellung: Auftragseingang im Jahresverlauf. Der überwiegende Teil des Geschäfts entfällt auf wenige Wochen im Herbst; durch den Lagerumzug kurz vor der Hochsaison blieben die Auslieferungen in dieser Phase weit hinter der üblichen Saison zurück.

Ergebnis

Ein Wettbewerber aus dem europäischen Ausland übernahm den Geschäftsbetrieb. Die Online-Shops, die Kundenbeziehungen und die Sortimentskompetenz konnten dadurch im Rahmen der Übernahme fortgeführt werden.

Der Verkauf des zusammenhängenden Geschäftsbetriebs ermöglichte es, dessen Wert über die einzelnen Vermögensgegenstände hinaus zu erhalten. Ohne einen Erwerber wäre lediglich deren Einzelverwertung verblieben.

Maßnahmen

Leistungswirtschaftlich
Die Sortimente, Vertriebskanäle und logistischen Strukturen wurden für potenzielle Erwerber nachvollziehbar dargestellt. Dabei wurde insbesondere ihr Nutzen für einen Einstieg in den deutschen Markt herausgearbeitet.
Die Erwerberansprache konzentrierte sich auf Wettbewerber und strategische Interessenten, deren bestehendes Geschäft durch die Übernahme ergänzt werden konnte.
Finanzwirtschaftlich
Die Liquiditätsplanung machte deutlich, dass die Ausfälle der Hochsaison innerhalb des laufenden Geschäftsjahres nicht mehr kompensiert werden konnten.
Der Verkaufsprozess wurde mit dem Insolvenzverwalter abgestimmt und innerhalb des Insolvenzverfahrens abgeschlossen.

Praxistipps

Legen Sie große Umstellungen nicht in die Hochsaison.
Bei stark saisonalen Geschäftsmodellen können wenige Wochen für das gesamte Jahresergebnis entscheidend sein. In diesem Fall fiel der Umzug des Lagers unmittelbar vor die wichtigste Absatzphase. Lagerumzüge, Systemwechsel und vergleichbare Eingriffe sollten deshalb möglichst in nachfrageschwachen Zeiträumen erfolgen. Ausreichende Zeitreserven und Vorkehrungen zur Aufrechterhaltung der Lieferfähigkeit begrenzen das Risiko, die wichtigste Absatzphase zu beeinträchtigen.
Planen Sie die Liquidität über das ganze Saisonjahr.
Wenn die Einnahmen weniger Wochen einen wesentlichen Teil der jährlichen Ausgaben finanzieren, kann eine schwache Saison weitreichende Folgen haben. Hier ließ sich der Umsatzverlust der Hochsaison im laufenden Geschäftsjahr nicht mehr aufholen. Eine Liquiditätsplanung über den vollständigen Saisonzyklus sollte deshalb auch Szenarien mit geringeren oder verzögerten Zahlungseingängen berücksichtigen. So werden der erforderliche Finanzierungsspielraum und mögliche Reserven frühzeitig sichtbar.
Denken Sie bei einem Verkauf international.
In spezialisierten Marktnischen kann die Zahl geeigneter Erwerber im Inland gering sein. Eine gezielte internationale Ansprache erschließt zusätzliche Interessenten, für die Kundenbeziehungen, Vertriebskanäle oder der regionale Marktzugang einen besonderen Nutzen haben. In diesem Fall ermöglichte sie den Verkauf an einen Wettbewerber aus dem europäischen Ausland.

Vertraulichkeit. Alle Mandate sind anonymisiert dargestellt, Kennzahlen gerundet oder in Spannen angegeben. 

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