Vergleich mit der KfW statt Insolvenz – Sanierung eines Fährreiseanbieters

Steckbrief
Branche Dienstleistungen
Leistungen von KAS Prüfung auf Insolvenzgründe 13-Wochen-Liquiditätsplanung Unternehmensplanung und Plausibilisierung Bewertung von Sanierungsoptionen Sanierungskonzepte und Sanierungsgutachten Sanierungscontrolling und Reporting Finanzierung und Refinanzierung
Geschäftsmodell Reiseveranstalter für Reisepakete mit Fährschiff, Hotel, Bus, Flug und Ausflügen, für Endkunden und andere Reiseveranstalter
Unternehmensgröße unter zehn Mitarbeiter, überwiegend mitarbeitende Gesellschafter · Umsatz unter einer Million Euro
Mandatsrahmen Sanierungskonzept nach IDW S 6 zur Vorlage bei Förderbank und Hausbank, Verhandlung des Sanierungsvergleichs · beauftragt durch die Geschäftsführung
Ergebnis auf einen Blick
Zahlungsunfähigkeit abgewendetohne Insolvenzverfahren
rund 90 % Forderungsverzichtder KfW auf den Schnellkredit, gegen eine Einmalzahlung
Sanierungsbeiträge der GesellschafterDarlehensverzicht, Einmalzahlung und um ein Drittel gesenkte Gehälter

Ausgangslage

Die Corona-Pandemie führte ab 2020 zu erheblichen Umsatzverlusten. Mit dem Wegfall des Russlandgeschäfts im Jahr 2022 verlor das Unternehmen einen weiteren wichtigen Markt. Zuschüsse während der Corona-Krise deckten die entstandenen Verluste nur teilweise. Den verbleibenden Teil finanzierte ein KfW-Schnellkredit.

Neue Reiseangebote und Veränderungen im Vertrieb reichten nicht aus, um die Rückzahlung des Darlehens aus dem laufenden Geschäft zu finanzieren. Die Planung zeigte trotz operativer Verbesserungen eine Finanzierungslücke. Für die Fortführung des Unternehmens waren deshalb neben betrieblichen Maßnahmen auch eine Entlastung beim Kredit und Beiträge der Gesellschafter erforderlich.

Der kritische Punkt

Da das Unternehmen uns in einem fortgeschrittenen Krisenstadium kontaktiert hatte, musste zeitnah eine Tilgungsaussetzung beantragt werden, um die Zahlungsfähigkeit der Gesellschaft zu sichern und das Sanierungskonzept in diesem Zeitraum erarbeiten zu können. Die Fortführung hing damit zuerst an der Zustimmung der KfW zu der Tilgungsaussetzung und später zu dem Sanierungsvergleich mit Teilforderungsverzicht. Wären beide Zustimmungen nicht positiv und fristgerecht eingegangen, wäre ein zeitnaher Insolvenzantrag die Folge gewesen.

Vorgehen

Die Geschäftsführung beauftragte KAS mit einem Sanierungskonzept nach IDW S 6, in der für kleine Unternehmen angepassten Detailtiefe, zur Vorlage bei der KfW und der Hausbank.

Wirtschaftliche Analyse
Analyse von Ertrag, Liquidität und Vermögen; Prüfung auf Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung auf Basis eines wöchentlichen Finanzplans.
Planung in zwei Szenarien
Integrierte Planung von Ertrag, Liquidität und Bilanz über vier Jahre, ohne und mit Sanierungsmaßnahmen. Ohne Sanierungsmaßnahmen zeigte die Planung eine Liquiditätslücke, die zur Zahlungsunfähigkeit geführt hätte.
Gläubigeralternative bewerten
Gegenüberstellung der möglichen Rückflüsse an die KfW aus einem Vergleich und aus einem Insolvenzverfahren. Das Anlagevermögen bestand aus abgeschriebener Büroausstattung. Den geleisteten Anzahlungen an Reiseleistungsträger standen Verpflichtungen aus erhaltenen Kundenanzahlungen gegenüber; die Bilanzwerte ließen deshalb für sich genommen keinen Rückschluss auf frei verfügbare Mittel oder mögliche Rückflüsse zu. Ein Verfahren wäre voraussichtlich mangels Masse nicht eröffnet worden.
Verhandlungen begleiten
Stundung der fälligen Raten, Vorbereitung des Vergleichsangebots an die KfW und Abstimmung mit der Hausbank.
Sanierungscontrolling
Wöchentlich rollierende Liquiditätsplanung und monatlicher Plan-Ist-Vergleich.

wöchentlich und monatlich

Entscheidend für die Verhandlungen war die nachvollziehbare Gegenüberstellung der möglichen Rückflüsse aus einem Vergleich und einem Insolvenzverfahren. Hinzu kamen konkrete Beiträge der Gesellschafter, durch die eine Besserstellung für die KfW erreicht werden konnte sowie eine Planung, die die Fortführung nach der Entlastung darstellte.

Schematische Darstellung: Rückfluss an die KfW aus dem Schnellkredit. Im Sanierungsvergleich fließt eine Einmalzahlung zurück, im Insolvenzverfahren voraussichtlich nichts.

Ergebnis

Mit dem Vergleich war die drohende Zahlungsunfähigkeit abgewendet, ohne dass ein Insolvenzverfahren nötig wurde. Das Geschäftsmodell blieb erhalten, und die Gesellschaft führte ihren Betrieb mit dem bereits zuvor verkleinerten Team fort. Zum Stichtag des Konzepts ergab sich unter Annahme der geplanten Maßnahmen eine positive Fortbestehensprognose; eine Überschuldung lag nicht vor.

Getragen haben die Sanierung vor allem die Gesellschafter: mit einem Darlehensverzicht, einer Einmalzahlung und Gehältern, die schon zuvor unter dem Branchenniveau lagen und noch einmal sanken. Die Planung sah danach nur einen knappen Überschuss vor. Die geringen verbleibenden Spielräume machten eine engmaschige Kontrolle von Liquidität und Ergebnis erforderlich.

Auf der Bankenseite hat die KfW mit einem erheblichen Darlehensverzicht den Fortbestand des Unternehmens gesichert und wurde durch den Sanierungsvergleich dennoch gegenüber einer Insolvenz deutlich besser gestellt.

Der durch den Verzicht entstandene außerordentliche Ertrag wurde durch die Verlustvorträge aufgefangen, so dass daraus kein Steuerthema entstanden ist.

Maßnahmen

Leistungswirtschaftlich
Das Unternehmen weitete den Vertrieb aus: neue Reisen, neue Märkte und ein Schwerpunkt im Wintergeschäft, mit dem Ziel einer deutlich höheren Marge.
Die sonstigen betrieblichen Aufwendungen wurden etwa halbiert; das war bereits vor dem Konzept umgesetzt.
Das Personal wurde schon vor dem Konzept verkleinert; den Großteil der Aufgaben übernahmen die Gesellschafter selbst.
Die Gesellschaftergehälter sanken nochmals um rund ein Drittel.
Finanzwirtschaftlich
Die Gesellschafter verzichteten auf Gesellschafterdarlehen.
Die KfW stundete die fälligen Raten während der Verhandlungen zur Sicherung der Zahlungsfähigkeit.
Aus dem Gesellschafterkreis kam eine Einmalzahlung als Ablösebetrag für die KfW.
Im Sanierungsvergleich verzichtete die KfW auf rund 90 % des Schnellkredits.

Praxistipps

Legen Sie dem Gläubiger eine nachvollziehbare Gegenüberstellung vor.
Zeigen Sie, was er aus einem Vergleich und was er in einem Insolvenzverfahren voraussichtlich erhielte. In diesem Mandat war sie die Grundlage der Verhandlung.
Beantragen Sie die Stundung, bevor die nächste Rate fällig wird.
Hier verschaffte sie die Zeit für Konzept und Verhandlung.
Planen Sie Kundenanzahlungen getrennt von den eigenen Mitteln.
Ihnen stehen Leistungen gegenüber, die noch zu bezahlen sind.
Stellen Sie die Beiträge der Gesellschafter nachvollziehbar dar.
Hier waren Darlehensverzicht, Einmalzahlung und Gehaltsverzicht Teil des Angebots an die KfW.

Vertraulichkeit. Alle Mandate sind anonymisiert dargestellt, Kennzahlen gerundet oder in Spannen angegeben.

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