Verlustursache in Großprojekten aufgedeckt – IBR im GxP-Umfeld

Steckbrief
Branche Dienstleistungen
Leistungen von KAS Kurzanalyse und IBR Prüfung auf Insolvenzgründe Geschäftsführerhaftung in der Krise Unternehmensplanung und Plausibilisierung Bewertung von Sanierungsoptionen Fortführungsprognose
Geschäftsmodell Ingenieur- und Beratungsdienstleister für die regulierte Pharma-, Biotech- und Chemieindustrie: Planung, Engineering, Validierung und Projektmanagement im GxP-Umfeld, Tochter einer internationalen Unternehmensgruppe
Unternehmensgröße Gesamtleistung im zweistelligen Millionenbereich · mehrere Standorte · rund 100 Mitarbeiter
Mandatsrahmen Independent Business Review mit Analyse der wirtschaftlichen Lage, Kurzcheck von Controlling und Reporting, Prüfung der Planung und Hinweisen zur Fortführungsprognose · beauftragt durch die Geschäftsführung
Ergebnis auf einen Blick
Rund 950 Projekte ausgewertetüber dreieinhalb Jahre, nach Ergebnis, Vertragsart, Budget und Laufzeit
Verlustursache lokalisiert14 Großprojekte mit Festpreis verursachten rund 90 % des negativen Projektergebnisses
Haftungsrisiken aufgedecktfehlende Fortführungsprognose und Verrechnung trotz Rangrücktritt
Empfehlung: außergerichtliche Sanierungnach Vergleich von vier möglichen Wegen

Ausgangslage

Das Unternehmen arbeitete seit Jahren defizitär. Betriebsergebnis und Jahresergebnis waren über vier Jahre durchgängig negativ; die Verluste summierten sich auf einen Millionenbetrag. Schon das Rohergebnis nach Fremdleistungen und Personalkosten lag deutlich unter dem Niveau vergleichbarer Unternehmen, unter anderem, weil leistungsabhängige Gehaltsbestandteile weitgehend in Festgehalt umgewandelt worden waren. Eingeleitete Personalreduzierungen hatten daran nichts Grundlegendes geändert.

Finanziert wurden die Verluste fast vollständig über Verbindlichkeiten gegenüber Gesellschaften der Unternehmensgruppe. Die Gesellschaft war bilanziell überschuldet; zwei Gruppengesellschaften hatten für ihre Forderungen den Rangrücktritt erklärt. Zugleich stand ein Wechsel in der Geschäftsführung an. Die Geschäftsführung brauchte eine unabhängige Analyse, woher die Verluste kamen und wie es weitergehen kann.

Der kritische Punkt

Das Unternehmen hing an der Bereitschaft der Gruppe, die laufenden Verluste weiter zu finanzieren. Diese Bereitschaft setzte voraus, dass sich die Ursache der Verluste finden und beheben lässt. Gleichzeitig fehlte die Fortführungsprognose, auf die sich die Bilanzierung zu Fortführungswerten hätte stützen müssen.

Vorgehen

Die Geschäftsführung beauftragte KAS mit einem Independent Business Review. Grundlage waren Jahresabschlüsse, Auswertungen aus dem ERP-System, Planungen, Prozess- und Stellenbeschreibungen sowie Gespräche mit Finanzbereich und operativ tätigen Mitarbeitern.

Wirtschaftliche Lage
Analyse von Ertrags-, Vermögens- und Liquiditätslage; Herkunft und Verwendung der Mittel in einer Kapitalflussrechnung.
Projektanalyse
Weil sich die Verluste nicht aus den Abschlüssen erklären ließen, wurde der Auftrag um eine Analyse aller rund 950 Projekte erweitert: Ergebnis je Projekt, Festpreis oder Aufwand, Budgethöhe, Laufzeit und Abschlussstand.
Prozesse und Organisation
Prüfung von Prozess- und Stellenbeschreibungen und Gespräche mit operativ tätigen Mitarbeitern, um zu verstehen, warum Fehlentwicklungen in Projekten zu spät erkannt wurden.
Fortführung und Insolvenzgründe
Hinweise zur handelsrechtlichen Fortführungsprognose und zur Prüfung von Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung; Durchsicht der Liquiditätsplanungen und der Rangrücktrittserklärungen.
Wege bewerten
Vergleich von stiller Liquidation, Insolvenzverfahren, Restrukturierung nach StaRUG und außergerichtlicher Sanierung mit ihren Vor- und Nachteilen für Gesellschaft, Gruppe und Mitarbeiter.
Bericht und Präsentation
Abschlussbericht für Geschäftsführung und Gesellschafter; Präsentation der Ergebnisse vor der neuen Geschäftsführung.

Entscheidend war die Projektanalyse. Sie zeigte, dass die Verluste nicht gleichmäßig über das Geschäft verteilt waren, sondern sich in wenigen großen Festpreisprojekten bündelten. Damit gab es einen konkreten Ansatzpunkt für die Sanierung.

Schematische Darstellung: Projektergebnis nach Projektgröße und Vertragsart. Kleine Projekte liegen um die Nulllinie, große Festpreisprojekte deutlich im Verlust.

Ergebnis

Das Review machte die Ursache der Verluste sichtbar und ordnete sie in Projekte, Organisation und Steuerung ein. Kleinere Projekte und Aufwandsprojekte schlossen im Durchschnitt deutlich besser ab; Großprojekte mit Festpreis waren regelmäßig unrentabel, auch weil Nachträge nicht konsequent durchgesetzt wurden. Die Prozesse selbst waren grundsätzlich geeignet. Die Schwächen lagen in der Organisationsstruktur, in häufigen Wechseln auf der Leitungsebene und in der Mehrfachbelastung einzelner Führungskräfte.

Wegen des weiterhin vorhandenen Marktes für die Leistungen empfahl KAS die außergerichtliche Sanierung. Die neue Geschäftsführung sollte nach einer Einarbeitungszeit ein Sanierungskonzept erstellen und umsetzen; erstes Ziel war, innerhalb von neun Monaten keine weiteren Verluste mehr zu schreiben. Ein weiterer Liquiditätsbedarf aus der Gruppe war in dieser Zeit realistisch, seine Höhe aber noch zu ermitteln.

Maßnahmen

Leistungswirtschaftlich
Die Zahl gleichzeitig laufender Großprojekte sollte von durchschnittlich zwölf auf drei bis sechs sinken; den Vertrieb galt es stärker auf kleinere Projekte auszurichten.
Bei Großprojekten sollte ein Geschäftsführer oder die Leitung des Projektmanagements das Projektsponsoring übernehmen, und Nachträge sollten konsequent angemeldet und durchgesetzt werden.
Assistenzstellen sollten Standort- und Projektleiter von Verwaltungsaufgaben entlasten; eine Stellenanalyse mit Aufgabenkritik sollte die Grundlage dafür schaffen.
Personalreduzierungen waren bereits vor dem Mandat eingeleitet.
Finanzwirtschaftlich
Die Gruppe finanzierte die Verluste; zwei Gruppengesellschaften hatten bereits vor dem Mandat den Rangrücktritt für ihre Forderungen erklärt.
Die kurzfristige Liquiditätsplanung sollte auf sechs Wochen erweitert, rollierend fortgeschrieben und dokumentiert werden; die langfristige Planung sollte in eine integrierte Monatsplanung übergehen.
Eine Fortführungsprognose sollte künftig jährlich erstellt und Verrechnungen mit Forderungen unter Rangrücktritt vermieden werden.

Praxistipps

Werten Sie Ihre Projekte einzeln aus.
Erst die Auswertung je Projekt nach Vertragsart, Budget und Laufzeit zeigte hier, dass sich die Verluste in wenigen großen Festpreisprojekten bündelten.
Melden Sie Nachträge konsequent an.
In diesem Mandat blieben Nachträge aus Rücksicht auf Kunden teilweise ungenehmigt, gerade bei Großprojekten, bei denen die Kundenseite hart verhandelte.
Erstellen Sie die Fortführungsprognose.
Sie ist Aufgabe der Geschäftsführung, auch wenn ein Steuerberater den Abschluss erstellt. Hier fehlte sie, obwohl der Abschluss zu Fortführungswerten aufgestellt wurde.
Verrechnen Sie nicht mit Forderungen unter Rangrücktritt.
Eine Verrechnung kann als unzulässige Rückzahlung gelten. Hier war genau das im Jahresabschluss geschehen.

Vertraulichkeit. Alle Mandate sind anonymisiert dargestellt, Kennzahlen gerundet oder in Spannen angegeben. 

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