Positive Fortführungsprognose für ein Homecare-Start-up

Steckbrief
Branche Gesundheitswesen · Handel
Leistungen von KAS Prüfung auf Insolvenzgründe Unternehmensplanung und Plausibilisierung Fortführungsprognose Fortbestehensprognose
Geschäftsmodell Versorgung von Patienten mit erklärungsbedürftigen medizinischen Hilfsmitteln im häuslichen Umfeld, abgerechnet mit den gesetzlichen Krankenkassen.
Unternehmensgröße Rund 40 Mitarbeiter, Umsatz im niedrigen einstelligen Millionenbereich
Mandatsrahmen Prüfung der Planungsinstrumente und Erstellung der Fortführungsprognose zum Stichtag; Auftraggeber war die Geschäftsführung, Empfänger der Prognose die Hausbank
Ergebnis auf einen Blick
Positive FortbestehensprognoseZum Stichtag unter Berücksichtigung der vorgesehenen Finanzierungsmaßnahmen.
Keine Überschuldung nach § 19 InsOAufstellung eines Überschuldungsstatus nicht erforderlich.
Zahlungsfähigkeit bestätigtDurchgehende Liquiditätsüberdeckung im zwölfmonatigen Prognosezeitraum.
Planungsinstrument bestätigtEignung des unternehmenseigenen Planungsmodells als Steuerungsinstrument festgestellt.
Planung bis zum Break-evenIntegrierte Monatsplanung über drei Geschäftsjahre.

Ausgangslage

Das Unternehmen versorgt Patienten nach Operationen oder mit chronischen Erkrankungen mit erklärungsbedürftigen medizinischen Hilfsmitteln, unter anderem in der Stoma-, Kontinenz- und Wundversorgung. Es berät Patienten, Angehörige und Pflegedienste und rechnet die Versorgung auf Grundlage von Verträgen mit den gesetzlichen Krankenkassen ab. Zum Stichtag befand sich die Gesellschaft noch in der Aufbauphase.

Wie im Businessplan vorgesehen, erwirtschaftete das Unternehmen in der Anlaufphase Verluste. Im zweiten vollen Geschäftsjahr stellte es zudem mehr Personal ein als geplant, um erfahrene Fachkräfte mit Kontakten zu Zielkunden zu gewinnen. Der Umsatz wuchs dadurch nicht im gleichen Maß wie die Personalkosten.

Die Verluste wurden über ein Bankdarlehen, Gesellschafterdarlehen und Einzahlungen in das Eigenkapital finanziert. Trotz der Kapitalerhöhung wies die Bilanz einen nicht durch Eigenkapital gedeckten Fehlbetrag aus. Die Hausbank machte die weitere Finanzierung der Anlaufphase deshalb von einer Fortführungsprognose abhängig.

Der kritische Punkt

Die bilanzielle Überschuldung blieb nach der Planung bis zum Ende des Planungszeitraums bestehen. Zugleich löste die Anlaufphase weiteren Finanzierungsbedarf aus, der zum Stichtag teilweise noch nicht bewilligt war. Die Prognose hing deshalb davon ab, ob die Zahlungsfähigkeit im Prognosezeitraum unter Berücksichtigung der laufenden Finanzierungsgespräche mit der Hausbank überwiegend wahrscheinlich war.

Vorgehen

Unser Auftrag umfasste die Prüfung der Planungsinstrumente und des Planungsprozesses auf ihre Eignung für eine Fortführungsprognose sowie die Erstellung der Prognose zum Stichtag.

Ist-Analyse
Wir werteten Buchführung, Jahresabschluss, unterjährige Auswertungen, Darlehensverträge und Personaldaten aus. Auf dieser Grundlage analysierten wir die Ertrags-, Vermögens- und Finanzlage sowie Markt und Wettbewerb.
Prüfung der Unternehmensplanung
Wir prüften das unternehmenseigene Planungsmodell und den Planungsprozess. Die festgestellten Schwachstellen bei nicht liquiditätswirksamen Erträgen, der Überleitung in das Folgejahr und der Umsatzsteuer stellten den Planungsansatz nicht in Frage.
Integrierte Planung
Wir überführten die Planungsprämissen in eine integrierte monatliche Ertrags-, Liquiditäts- und Bilanzplanung. Den Planungszeitraum verlängerten wir bis zum erwarteten Erreichen der Gewinnschwelle und bildeten die Kreditplanung einschließlich Tilgungen ab.
Fortbestehensprognose
Wir prüften die Zahlungsfähigkeit im zwölfmonatigen Prognosezeitraum. Ergänzend beurteilten wir die Entwicklung von Cashflows, Rentabilität und rechnerischer Überschuldung.

Wesentlich war, dass die Planung im Unternehmen etabliert war und laufend mit Ist-Daten abgeglichen wurde. Die Annahmen zu Neukunden, Personal und Kliniken ließen sich dadurch an der tatsächlichen Entwicklung nachvollziehen.

Ergebnis

Zum Stichtag ergab sich unter Berücksichtigung der vorgesehenen Finanzierungsmaßnahmen eine positive Fortbestehensprognose. Eine Überschuldung im Sinne des § 19 InsO lag damit nicht vor. Die Planung zeigt eine kontinuierliche Verringerung der Verluste und das Erreichen der Gewinnschwelle im dritten Planjahr.

Die bilanzielle Überschuldung bleibt im Planungszeitraum bestehen. Die Planungsprämissen sind deshalb von der Geschäftsführung laufend nachzuhalten, damit bei Abweichungen rechtzeitig gegengesteuert werden kann. Die weitere Finanzierung der Anlaufphase setzt die Bewilligung der vorgesehenen Darlehen voraus.

Maßnahmen

Leistungswirtschaftlich
Das Unternehmen erweiterte sein Vertriebsgebiet und gewann neue Kunden. Der Neukundenzuwachs lag leicht über den internen Planwerten.
Der Abrechnungsrhythmus mit dem Abrechnungszentrum soll von zweimal auf einmal im Monat umgestellt werden. Dadurch sinken die Abrechnungsgebühren.
Finanzwirtschaftlich
Die Gesellschafter erhöhten das Stammkapital, leisteten Einzahlungen in die Kapitalrücklage und gewährten Gesellschafterdarlehen. Die Zinsen auf die Darlehen werden nicht gezahlt, sondern dem Darlehen zugeschlagen.
Die Hausbank zahlte ihr Darlehen in mehreren Tranchen aus. Für die weitere Anlaufphase ist ein zusätzliches Umlaufmitteldarlehen in zwei Tranchen vorgesehen.

Praxistipps

Vorhandene Planung prüfen statt neu aufsetzen
Eine Fortführungsprognose erfordert keine Standardsoftware, wohl aber eine integrierte und laufend fortgeschriebene Planung. In diesem Fall erwies sich das selbst entwickelte Planungsmodell als geeignet, nur wenige Punkte waren nachzuschärfen. Prüfen Sie deshalb zuerst, ob Ihre bestehende Planung Ertrag, Liquidität und Bilanz verbindet.
Den Planungszeitraum bis zur Gewinnschwelle wählen
Bei jungen Unternehmen zeigt der zwölfmonatige Prognosezeitraum allein nicht, ob das Geschäftsmodell trägt. Hier wurde die Planung deshalb bis in das dritte Planjahr verlängert. Banken und weitere Beteiligte erkennen so, ab wann das Unternehmen ohne zusätzliche Mittel auskommt.
Finanzierungsbedarf früh mit den Geldgebern abstimmen
Ist die Prognose auf weitere Finanzierung angewiesen, kommt es auf die Belastbarkeit der Finanzierungsaussichten an. Im vorliegenden Fall stützte sich die Prognose auf die Bereitschaft der Hausbank zu Finanzierungsgesprächen und auf die Entwicklung der Auftragslage. Führen Sie diese Gespräche vor dem Stichtag und dokumentieren Sie deren Stand.

Vertraulichkeit. Alle Mandate sind anonymisiert dargestellt, Kennzahlen gerundet oder in Spannen angegeben. 

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