Handelsrechtliche Fortführungsprognose nach einem Verlustjahr

Steckbrief
Branche Dienstleistungen
Leistungen von KAS Unternehmensplanung und Plausibilisierung Fortführungsprognose
Geschäftsmodell Spezialisierte Beratung öffentlicher Auftraggeber, überwiegend auf Grundlage von Rahmenverträgen.
Unternehmensgröße Rund 10 Mitarbeiter zum Aufstellungszeitpunkt, Umsatz im niedrigen einstelligen Millionenbereich
Mandatsrahmen Überprüfung der Fortführungsprognose der Geschäftsführung, Plausibilisierung der Maßnahmen und Planannahmen sowie Erstellung einer monatlichen Liquiditätsplanung für die Aufstellung des Jahresabschlusses; Auftraggeber war die Geschäftsführung
Ergebnis auf einen Blick
Fortführungsannahme begründetBeurteilung der Geschäftsführung nach § 252 Abs. 1 Nr. 2 HGB auf Grundlage der plausibilisierten Planung.
Durchgehende LiquiditätsüberdeckungIm gesamten Prognosezeitraum aus dem operativen Cashflow, ohne einmalige Finanzierungsmaßnahmen.
Personalkosten mehr als halbiertAbbau der Überkapazitäten nach dem neuen Personalkonzept.
Planannahmen durch Ist-Zahlen bestätigtRund anderthalb Geschäftsjahre nach dem Bilanzstichtag mit Ist-Daten unterlegt.
Prognosezeitraum über zwölf MonateMonatliche Liquiditätsplanung bis zum Ende des Folgejahres ab Aufstellung.

Ausgangslage

Das Unternehmen berät öffentliche Auftraggeber in einem spezialisierten Fachgebiet. Es wurde ohne Fremdkapital gegründet und finanzierte sein Wachstum aus eigenen Mitteln. Der überwiegende Teil der Erlöse stammt aus wenigen Rahmenverträgen, ergänzt um Einzelausschreibungen und die Personalstellung über Partner.

Im zweiten Geschäftsjahr entstand ein erheblicher Verlust. Das Unternehmen hatte in Erwartung weiterer Abrufe Beraterinnen und Berater eingestellt, deren Kapazität durch Projektumsätze nicht gedeckt war. Ein gewonnener Auftrag endete nach wenigen Monaten, eine wichtige Ausschreibung ging an einen Wettbewerber, und die erwartete Nachfrage blieb aus. Da ein Controlling der Auslastung fehlte, wurde auf die Unterauslastung erst verzögert reagiert.

Die Aufstellung des Jahresabschlusses für dieses Geschäftsjahr verzögerte sich erheblich. Für die Aufstellung war zu beurteilen, ob der Abschluss weiterhin unter der Annahme der Unternehmensfortführung aufgestellt werden konnte.

Der kritische Punkt

Der Jahresabschluss des Verlustjahres wurde erst rund anderthalb Jahre nach dem Bilanzstichtag aufgestellt. Maßgeblich für die Fortführungsannahme war deshalb der Erkenntnisstand zum Aufstellungszeitpunkt, und der Prognosezeitraum musste mindestens zwölf Monate ab diesem Zeitpunkt umfassen. Zugleich war darzulegen, dass die Ursachen des Verlustes beseitigt waren und die Liquidität ohne einmalige Stützungsmaßnahmen gesichert war.

Vorgehen

Unser Auftrag umfasste die kritische Überprüfung der von der Geschäftsführung abgegebenen Fortführungsprognose, die Plausibilisierung der Maßnahmen und Planannahmen sowie deren Zusammenfassung in einer monatlichen Liquiditätsplanung.

Ursachen und Maßnahmen
Wir analysierten die Ursachen des Verlustjahres und die seitdem eingeleiteten Maßnahmen. Dabei überprüften wir deren Umsetzungsstand und Wirkung auf Ertrags- und Liquiditätslage.
Abgleich mit Ist-Daten
Wir stellten die Ist-Daten aus der Buchführung des Folgejahres und des ersten Halbjahres des laufenden Jahres den Planannahmen gegenüber. Konsistenz und Plausibilität der Annahmen ließen sich so an der tatsächlichen Entwicklung prüfen.
Liquiditätsplanung
Wir überführten Ist-Daten, Auftragsbestand, bestehende Verträge und Zahlungsziele in eine monatliche Liquiditätsplanung bis zum Ende des Folgejahres. Der Prognosezeitraum umfasste damit mehr als zwölf Monate ab Aufstellung.
Dokumentation
Wir fassten die Grundlagen der Beurteilung in einer Dokumentation zusammen, gegliedert in Basisinformationen, Erklärung der Geschäftsführung und Erklärung des Beraters.

Wesentlich war, dass zwischen Bilanzstichtag und Aufstellung bereits Ist-Zahlen für rund anderthalb Geschäftsjahre vorlagen. Die Wirkung der Maßnahmen ließ sich dadurch belegen und musste nicht allein aus der Planung abgeleitet werden.

Ergebnis

Auf Grundlage der plausibilisierten Planung beurteilte die Geschäftsführung die Annahme der Unternehmensfortführung positiv. Bedeutsame Zweifel an der Fähigkeit der Gesellschaft, ihre Tätigkeit fortzuführen, bestanden nach ihrer Würdigung nicht. Die Aufstellung des Jahresabschlusses zu Fortführungswerten war damit begründet.

Die Verantwortung für die Planannahmen und die Fortführungsbeurteilung lag bei der Geschäftsführung. Prüfungshandlungen im Sinne einer Abschlussprüfung waren nicht Gegenstand des Auftrags. Als Risiken bleiben die Abhängigkeit von wenigen Rahmenverträgen und von der Haushaltslage der öffentlichen Auftraggeber.

Maßnahmen

Leistungswirtschaftlich
Das Unternehmen stellte sein Personalkonzept um. Beraterinnen und Berater werden erst nach einer konkreten Beauftragung eingestellt, Überkapazitäten wurden abgebaut.
Ein Controlling mit laufendem Projekt-Forecast und monatlicher Auslastungsmessung wurde aufgebaut. Die Liquiditätsplanung wird seitdem fortlaufend fortgeschrieben.
Die Vergütung der Beraterinnen und Berater wurde um einen Bonus nach fakturierten Projektstunden ergänzt. Das verbesserte die Leistungserfassung und die Fakturierung.
Die Organisation wurde von Geschäftsbereichen auf eine reine Projektorganisation umgestellt. Für Ausschreibungen und Partnermanagement entwickelte das Unternehmen eigene Werkzeuge.
Finanzwirtschaftlich
Die Zahlungsziele gegenüber den Generalunternehmern wurden verkürzt. Rechnungsstellung und Forderungsmanagement übernimmt eine eigene Assistenz.
Die Vergütung der Geschäftsführung wurde für den Prognosezeitraum als Sanierungsbeitrag deutlich reduziert.

Praxistipps

Die Prognose auf den Aufstellungszeitpunkt beziehen
Wird ein Jahresabschluss verspätet aufgestellt, ist der Erkenntnisstand zum Zeitpunkt der Aufstellung maßgeblich. In diesem Fall lagen bereits Ist-Zahlen für rund anderthalb Jahre nach dem Bilanzstichtag vor, und die Planung reichte bis zum Ende des Folgejahres. Nutzen Sie vorhandene Ist-Zahlen, weil sie die Prognose erheblich stützen.
Personal an Beauftragungen koppeln
Im Projektgeschäft sollte Kapazität erst aufgebaut werden, wenn Aufträge vorliegen. Hier liefen die Einstellungen den Abrufen voraus und verursachten den Verlust des zweiten Geschäftsjahres. Binden Sie Neueinstellungen deshalb an konkrete Beauftragungen und halten Sie flexible Kapazitäten über Partner vor.
Auslastung früh messen
Ein Controlling der Auslastung zeigt Unterdeckungen, bevor sie sich im Jahresergebnis niederschlagen. Im vorliegenden Fall wurde es erst nach dem Verlustjahr eingeführt, sodass Personalentscheidungen verzögert getroffen wurden. Erheben Sie die Auslastung monatlich und verbinden Sie sie mit der Liquiditätsplanung.

Vertraulichkeit. Alle Mandate sind anonymisiert dargestellt, Kennzahlen gerundet oder in Spannen angegeben. 

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