Wertstoffhandel: Ankaufstellen nach Rohertrag neu geordnet

Steckbrief
Branche Energie und Rohstoffe · Handel
Leistungen von KAS Kurzanalyse und IBR Prüfung auf Insolvenzgründe 13-Wochen-Liquiditätsplanung Unternehmensplanung und Plausibilisierung Fortbestehensprognose Sanierungskonzepte und Sanierungsgutachten Operative Ergebnisverbesserung Finanzierung und Refinanzierung
Geschäftsmodell Zertifizierter Entsorgungsfachbetrieb: Ankauf, Transport und Handel von Sekundärrohstoffen wie Papier, Glas, Textilien und Metallen über ein Netz eigener Ankaufstellen
Unternehmensgröße rund 40 Mitarbeiter · über 40 Ankaufstellen in mehreren Bundesländern · Umsatz im zweistelligen Millionenbereich
Mandatsrahmen Sanierungskonzept mit Prüfung der Insolvenzgründe und Fortbestehensprognose zur Bankvorlage, Begleitung der Bankgespräche · beauftragt durch die Geschäftsführung
Ergebnis auf einen Blick
Positive FortbestehensprognosePositive Beurteilung zum Stichtag des Konzepts unter Berücksichtigung der vorgesehenen Sanierungsmaßnahmen.
Alle Ankaufstellen bewertetRentabilitätsanalyse jeder einzelnen Ankaufstelle; knapp die Hälfte erwirtschaftete bereits vor Gemeinkosten ein negatives Ergebnis.
Neue SteuerungsgrößeRohertrag je geöffneter Stunde als verbindlicher Maßstab für Öffnungszeiten und Schließungen.
Kurzfristige Verbindlichkeiten umgeschuldetLangfristiges Bankdarlehen und Privatdarlehen; Verlängerung der Stundung durch das Finanzamt.

Ausgangslage

Das Unternehmen ist als Entsorgungsfachbetrieb zertifiziert und handelt mit Sekundärrohstoffen. Papier, Glas, Textilien, Buntmetalle und Schrott werden über ein Netz eigener Ankaufstellen in mehreren Bundesländern erfasst, gebündelt und an Verwerter verkauft. Die Absatzpreise für Papier, Glas und Textilien werden jährlich vereinbart, Metalle werden zu Marktpreisen gehandelt.

Das Netz der Ankaufstellen war über Jahre gewachsen, ohne dass ihre Wirtschaftlichkeit einzeln gesteuert wurde. Die Ankaufpreise blieben in vielen Ankaufstellen über das gesamte Jahr unverändert. Die erforderlichen Daten wurden zwar erfasst, lagen jedoch nur teilweise elektronisch und nicht in auswertbarer Form vor. Die Steuerung erfolgte überwiegend auf Basis von Erfahrungswerten.

Zuletzt erzielte das Unternehmen wieder ein positives Betriebsergebnis. Der erwirtschaftete Cashflow reichte jedoch nicht aus, um neben den laufenden Zahlungen auch die aufgelaufenen Verbindlichkeiten zurückzuführen. Verbindlichkeiten gegenüber dem Finanzamt, den Krankenkassen und den Mitarbeitern waren gestundet.

Der kritische Punkt

Unter Berücksichtigung der Stundungen war das Unternehmen zum Stichtag zahlungsfähig. Die Stundungen waren jedoch befristet. Mit ihrem Auslaufen und dem saisonal schwachen Jahresende war kurzfristig mindestens von einer drohenden Zahlungsunfähigkeit auszugehen. Die Planung ohne Sanierungsmaßnahmen zeigte mit Fälligkeit der gestundeten Steuern eine erhebliche Liquiditätsunterdeckung.

Zugleich ergab sich unter Liquidationswerten eine rechnerische Überschuldung. Die Fortführung setzte deshalb eine positive Fortbestehensprognose voraus, die nur auf Grundlage einer tragfähigen Neuordnung der Ankaufstellen und einer langfristigen Umschuldung der kurzfristigen Verbindlichkeiten möglich war.

Vorgehen

Die Geschäftsführung beauftragte KAS mit der Erstellung eines Sanierungskonzepts zur Vorlage bei den Banken sowie mit der Begleitung der Bankgespräche.

Analyse der Lage
Wir untersuchten die Ertrags-, Vermögens- und Liquiditätslage, die Finanzierungsstruktur sowie Markt und Wettbewerb. Ergänzend stellten wir einen Überschuldungsstatus auf und analysierten die Herkunft und Verwendung der liquiden Mittel.
Auswertung der Ankaufstellen
Wir untersuchten die Rentabilität jeder einzelnen Ankaufstelle. Knapp die Hälfte erwirtschaftete bereits vor Umlage der Gemeinkosten ein negatives Ergebnis. Die zehn stärksten Ankaufstellen erzielten zusammen einen höheren Deckungsbeitrag als alle Ankaufstellen insgesamt. Rentable Standorte verfügten in der Regel über Kompetenz im Ankauf von Buntmetallen.
Maßnahmen und Werttreiber
Gemeinsam mit der Geschäftsführung leiteten wir die Maßnahmen ab. Als zentrale Steuerungsgröße für die Ankaufstellen legten wir den Rohertrag je geöffneter Stunde fest.
Integrierte Planung
Wir planten für jede Ankaufstelle Mengen, Einkaufs- und Absatzpreise je Rohstoff sowie Öffnungszeiten und Personaleinsatz und überführten die Ergebnisse in eine Rentabilitäts-, Liquiditäts- und Bilanzplanung. Eine Planung ohne Maßnahmen diente als Vergleich.
Prüfung der Insolvenzgründe
Wir prüften Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung und beurteilten die Fortbestehensprognose sowie die Sanierungsfähigkeit unter Berücksichtigung der vorgesehenen Maßnahmen.

Wesentlich war die Auswertung auf Ebene der einzelnen Ankaufstellen. Sie zeigte, dass die Ertragsschwäche nicht im gesamten Netz, sondern in einem abgrenzbaren Teil der Standorte lag. Mit dem Rohertrag je geöffneter Stunde stand eine einfache und überprüfbare Größe zur Verfügung, um Öffnungszeiten anzupassen, Standorte zu schließen und die Wirkung der Maßnahmen laufend zu verfolgen.

Schematische Darstellung: Rohertrag je geöffneter Stunde für alle Ankaufstellen, absteigend sortiert. Ankaufstellen unterhalb des Zielwerts verkürzen ihre Öffnungszeiten oder werden geschlossen.

Ergebnis

Zum Stichtag des Konzepts ergab sich unter Berücksichtigung der vorgesehenen Maßnahmen eine positive Fortbestehensprognose. Zahlungsunfähigkeit lag nicht vor; die rechnerische Überschuldung unter Liquidationswerten begründete bei positiver Fortbestehensprognose keine Insolvenzantragspflicht. Die integrierte Planung wies wieder positive Zahlungsüberschüsse aus, aus denen auch der Kapitaldienst der neuen Darlehen geleistet werden konnte.

Die Banken trugen das Sanierungskonzept mit. Die kurzfristigen Verbindlichkeiten wurden über ein langfristiges Bankdarlehen und ein Privatdarlehen umgeschuldet, und das Finanzamt verlängerte die Stundung. Die vorgesehenen Maßnahmen wurden anschließend vollständig umgesetzt.

Die Neuordnung war mit Einschnitten verbunden: Unrentable Ankaufstellen wurden geschlossen, an anderen Standorten wurden auslastungsschwache Öffnungszeiten reduziert. Zugleich entstand mit der Auswertung je Standort eine Grundlage, um das Netz der Ankaufstellen künftig laufend nach seiner Wirtschaftlichkeit zu steuern.

Maßnahmen

Leistungswirtschaftlich
Die Ankaufstellen werden nach dem Rohertrag je geöffneter Stunde gesteuert. Bei Unterschreiten des Zielwerts werden auslastungsschwache Öffnungszeiten reduziert, Standorte mit zu geringer Öffnungszeit werden geschlossen.
Ankaufstellen wurden mit Fachkräften für den Ankauf von Buntmetallen neu besetzt. Ergänzend wurden einzelne neue Ankaufstellen eröffnet.
Ein Controllingsystem und eine laufende, auswertbare Erfassung der wesentlichen betriebswirtschaftlichen Daten und Kundendaten wurden aufgebaut. Verwaltungsprozesse und Ablauforganisation wurden überarbeitet.
Ein Anreizsystem bezieht die Mitarbeiter vor Ort in die Steuerung der Ankaufstellen ein.
Finanzwirtschaftlich
Kurzfristige Verbindlichkeiten wurden über ein langfristiges Bankdarlehen und ein Privatdarlehen umgeschuldet.
Die Stundungsvereinbarung mit dem Finanzamt wurde verlängert.
Nicht betriebsnotwendiges Anlagevermögen wurde verkauft.

Praxistipps

Bewerten Sie jeden Standort einzeln.
Bei einem Netz aus vielen kleinen Standorten kann das Gesamtergebnis die Schwäche einzelner Standorte verdecken. In diesem Fall erwirtschaftete knapp die Hälfte der Ankaufstellen bereits vor Gemeinkosten ein negatives Ergebnis. Eine regelmäßige Auswertung je Standort schafft die Grundlage für Entscheidungen über Öffnungszeiten und Schließungen.
Steuern Sie mit einer einfachen Kennzahl.
Eine gut verständliche Steuerungsgröße erleichtert die Umsetzung vor Ort. Hier wurde der Rohertrag je geöffneter Stunde zum Maßstab für alle Ankaufstellen. Er verbindet Mengen, Preise und Personaleinsatz in einer Zahl, die auch die Mitarbeiter nachvollziehen können.
Passen Sie Ankaufpreise laufend an.
Bei schwankenden Absatzpreisen sollten die Ankaufpreise regelmäßig überprüft werden. In vielen Ankaufstellen blieben sie über ein ganzes Jahr unverändert. Eine laufende Anpassung sichert die Marge auch in Phasen fallender Rohstoffpreise.

Vertraulichkeit. Alle Mandate sind anonymisiert dargestellt, Kennzahlen gerundet oder in Spannen angegeben. 

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